Ego-Altruismus

Ich war etwa vier Jahre alt und mit meinem Vater zu Fuß in der Stadt unterwegs, vermutlich auf dem Weg in den Zoo oder in die Eisdiele. Wir sahen einen VW-Käfer (♥) an der Ampel warten, dessen Besitzerin sich ihren bunten Rock in der Fahrertür eingeklemmt hatte. Mein Vater ordnete mir an, auf dem Bürgersteig zu warten, bahnte sich seinen Weg durch die anderen wartenden Autos hin zu der Rock- und Käferbesitzerin, klopfte an ihre Scheibe, wies sie auf ihr Missgeschick hin und rannte wieder zurück zu mir. Mittlerweile hatte die Frau die Tür geöffnet und ihren Rock reingezogen. Als die Ampel auf grün schaltete, winkte sie uns mit einem warmen Lächeln auf dem Gesicht und fuhr davon.

Dieses simple Erlebnis hat mich geprägt. Jedes Mal, wenn ich jemandem begegne, der in einer Unannehmlichkeit oder Notlage steckt, renne ich hin und versuche, zu helfen so gut ich kann.
Das tue ich alles nur zu einem einzigen Zweck: Um mir selbst zu gefallen.
Denn wann immer ich mich minderwertig, hässlich, dumm, einsam oder traurig fühle, wann immer mir danach ist, mich bis zum Ersticken in meinem Selbstmitleid zu suhlen, rufe ich mir in Erinnerung, dass ich zumindest ein Rückgrat habe, dass ich zumindest Eier in der Hose habe, dass ich zumindest schon mal zu irgendwas gut war.
Dann fällt mir manchmal auch wieder ein, wie sich der ein oder andere tatsächlich bei mir bedankt hat, wie mir erzählt wurde, dass viele andere zu ängstlich, ignorant oder beides waren und einfach weitergegangen sind, dass es nur wenige Menschen mit Zivilcourage gibt, obwohl ebendiese zu den größten zwischenmenschlichen Selbstverständlichkeiten zählen sollte.

Helft der alten Dame über die Straße, ruft die Polizei, wenn der Mann seine Frau ohrfeigt, fragt an der Unfallstelle, wie ihr helfen könnt statt zu gaffen und rüttelt den Penner, der mit geschlossenen Augen auf dem Bürgersteig liegt und vielleicht bloß seinen Rausch ausschläft, vielleicht aber auch ohnmächtig oder verletzt ist.

Tut es für Euch selbst!

 

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