Two in One

„Berg“ lautet das aktuelle *.txtStichwort.
Zunächst mal habe ich mir überlegt, dass dieses Wort sinnbildlich fürs Durchhalten steht. Gib nicht auf, erklimm das Ding! Überwindung und so weiter, ihr wisst schon.

Oder man könnte auch versuchen, irgendwo einen Höhleneingang zu finden, um in den Berg einzudringen, in der Hoffnung, dass man durch das Innere bis ans andere Ende gelangt. Das ist normalerweise meine Art, Probleme anzugehen. Nicht sehr schlau, denn meistens bleibe ich irgendwo stecken, finde mit Mühe und Not den Weg zurück und bin danach so frustriert, dass ich umkehre.

Doch letztendlich packte mich dann zum Thema „Berg“ die zugegebenermaßen an den Haaren herbeigezogen wirkende Konnotation „Kluft“.
Denn mit Kopf-Klüften, da habe ich es im Grunde genommen jede Sekunde meines Lebens zu tun. Also – Hopp! – springen wir jetzt mal auf den Berg bis zur erstbesten Kluft, aber nicht darüber. Denn genau da unten liegt das Problem begraben: Meine ist zu breit und tief.

Ich weiß nicht, ob ich das jetzt zu ungenau/populärwissenschaftlich formuliere, aber so in etwa teilt sich das menschliche Hirn (bewohnt von jeder Menge Gespenstern) in zwei Hälften: die Rechte, zuständig für Emotionen und die Linke, zuständig für Logik. Das lernt man irgendwann in der Schule oder von Amy Farrah Fowler.
Gefühl vs. Verstand, eines der ältesten Themen der Welt. Letztendlich muss der Mensch sich von Fall zu Fall für eines von beidem entscheiden. Aber was passiert, wenn er das nicht kann? Dann ist das ganze Leben Patt-Situation, man kann es sich niemals selbst Recht machen.

In Mathe bin ich – nun ja – so dumm wie man nur sein kann (Fachbegriff: Dyskalkulie), logische Schlussfolgerungen aufgrund von Erfahrungswerten, ganz besonders im zwischenmenschlichen Bereich, liegen mir hingegen sehr. Doch was bringt mir das? Weniger als Nichts. Denn es ist entsetzlich frustrierend, Probleme zwar zu durchschauen, sie aber aufgrund übermächtiger Gefühle trotzdem nicht lösen zu können. Das bedeutet nichts anderes als dauerhaften Kontrollverlust. Echt beschissen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass ich ein komplett anderes Leben führen würde, wäre die Kluft zwischen meinem Verstand und meinem Gefühl nur ein kleinwenig schmaler geraten. Denn dann besäße ich die Freiheit, Lebensentscheidungen treffen zu können, mit denen ich mich selbst identifizieren und zufriedenstellen kann. Stattdessen machen sich meine beiden inneren Zänker ständig gegenseitig Vorwürfe.
Vielleicht geht es dem ein oder anderen unter Euch ähnlich, aber ehrlich gesagt bringt das weder Euch noch mir irgendeinen Nutzen. Durch meine Zerrissenheit bin ich schwach, sehr schwach sogar, aber mindestens genauso zäh. Weil ich nun mal muss.

P.S.: Das klingt alles ziemlich traurig, oder? Aber ganz im Ernst: alles in allem ist das Leben trotzdem eine ziemlich coole Angelegenheit. 🙂

 

One thought on “Two in One

  1. Der präfrontale Cortex ist ja auch noch da. Er reguliert die kognitiven Prozesse so, dass situationsgerechte Handlungen ausgeführt werden können.

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