Waldrausch

Projekt *.txt: Wald

Sediert durch moosgrünem Frieden,
beruhigt durch raschelnde Stille,
Klarheit, allein durchs Atmen.

Die Verzweiflung des Menschseins existent als ferne Erinnerung.

Der Kopf befreit von den Qualen des Denkens.
Das Herz ist Eins mit allem, was lebt.

 

Dämonen

Projekt *.txt: mittlerweile

Manchmal gehst Du mal mehr, mal weniger zufällig über eine uralte, morsche Brücke, die hinter Dir sofort zusammenbricht.
Und dann gibt es kein Zurück mehr, nie wieder.
Erfolgreich Verdrängtes umzingelt plötzlich Dein Bewusstsein und Schmerz, Hass, Panik, kurz, Dämonen aller Art richten sich dort häuslich ein.
Stillhalten, Aushalten, Durchhalten. Was vorher strategisch sinnvoll und machbar war, scheint nun unerträglich.
Es bleibt Dir nichts übrig, als Dich dem ungleichen Kampf gegen die finstere Armee zu stellen.
Es steht alles auf dem Spiel.
Du blickst ihnen mutig direkt in ihre bösen Augen und erwartest die ewige Folter der Hölle. Stattdessen weichen Deine Dämonen verwundert zurück, erst noch langsam, dann immer schneller, bis Du ihre Umrisse schließlich nur noch irgendwo am Rand Deines Bewusstseins erahnen kannst.
Du warst tapfer. Deine Belohnung heißt Entwicklung.

 

Nachts

Projekt *.txt: mucksmäuschenstill

In allnächtlicher Gewohnheit ist die Welt da draußen tiefschwarz und mucksmäuschenstill geworden. Allein der kleine Zierbrunnen drüben im Nachbarhinterhof plätschert gleichmütig vor sich hin. Der tiefe Schlaf überall um mich herum erscheint mir fast greifbar.
Nur ich bin wach, bestimmt als einzige auf der ganzengroßenweiten Welt.

Je stiller es draußen ist, desto lauter donnern die Stimmen in meinem Kopf. 1000 unvollendete Gedanken versuchen sich gegenseitig zu übertönen. Meine hausgemachte Sorgen-Kakophonie.
Mein Herz rast. Ich stehe kurz auf, laufe ziellos durch die Wohnung, lege mich wieder hin und starre hellwach in die Dunkelheit. Etwas später (ich schaue lieber nicht auf die Uhr!) und wenig einfallsreich, mache ich meinen Ausflug ein zweites Mal.

So schwinden die wertvollen Ruhestunden dahin. Ganz allmählich büßen aber die bösen Stimmen an Aufdringlichkeit ein und erste Traumbilder schleichen sich zaghaft an. Das macht mich euphorisch und wieder wacher.
Und weg sind sie.

Irgendwann holt mich Gnade des Schlafes dann doch noch ein.
Eine halbe Stunde später klingelt der Wecker.
Guten Morgen, Welt! Das wird bestimmt ein herrlicher Tag.

 

Einer muss es ja machen

Projekt *.txt: Narrenfreiheit

Die Wikiquelle sagt zum Thema „Narrenfreiheit“: „Sie [die Narren] waren also eine soziale Institutionen zulässiger Kritik. Ihre gesonderte Stellung bzw. die fehlende Bindung an gesellschaftliche Normen ermöglichte dem Narren einen besonders großen Handlungsfreiraum – da alles, was er sagte aufgrund seiner Narrheit nicht ernst genommen wurde. Darauf begründet sich der heute noch viel verwendete Begriff der Narrenfreiheit“.

Theoretisch darf zumindest in unseren Breiten heutzutage jedermann Kritik an der Obrigkeit üben, praktisch hat sich aber in dieser Hinsicht seit dem Mittelalter nur verändert, dass der moderne Narr eher zum geneigten Volk als zu den Herrschern spricht. Narrenfreiheit besitzen aber nach wie vor jene, die gerne provozieren und (zu?) wenig Angst vor den unliebsamen persönlichen Konsequenzen ihrer Narreteien haben: Satiriker (deren Tradition sich vielleicht sogar in der Narrheit begründet hat), Querköpfe, Freaks, Freigeister, eben all jene, die schon von Natur aus ebenso unbequeme wie unterhaltsame Gedanken mit sich spazieren tragen. Denn der Job des Narren war schon immer auch Berufung.

Ob die mittelalterlichen Obrigkeiten tatsächlich und ernsthaft über die Kritik ihrer Narren nachdachten und vielleicht sogar manchmal ihr Verhalten änderten, weiß ich nicht. Auch heutzutage bringt die Narrenfreiheit keine Weltveränderung mit sich, aber sie muss schon des Prinzips, der Tradition und nicht zuletzt der geistigen Gesundheit des vernunftbegabten Teilchens der Gesellschaft wegen weiterhin genutzt werden.
Posthumen Dank an all jene, die im Laufe der Jahrhunderte die Narrenflagge hochgehalten und den Weg für Leute wie Hunter Thompson (leider auch schon tot), David Lynch, Hagen Rether und viele, viele, vieellle andere mehr oder weniger berühmte Narren freigeschaufelt haben.

 

Schuld und Unschuld

Das Wort „Weiß“ beim Projekt *.txt.
Das Symbol der Unschuld. Ein leeres Blatt, unbefleckt. Ein äußerst fragiler Zustand, der verdammt schnell vergehen kann.

Es gibt Menschen, die versuchen, so viel wie möglich richtig zu machen und sich dennoch oft oder sogar zeitlebens schuldig fühlen. Denn Fehler begehen wir alle, ganz egal wie sehr wir uns bemühen.
Den wirklich Bösen hingegen geht es prima. Sie schaffen es, jede noch so schreckliche Tat vor sich selbst zu rechtfertigen. Die Folter durch das eigene Gewissen wird nur denen zuteil, die auch ein solches besitzen.
Egal, ob berechtigt oder nicht, Selbstquälerei bringt niemals etwas Gutes hervor. Sie hat stets einen zerstörerischen Charakter, dazu ist sie schließlich da. Wer sich dauerhaft grämt, erlebt nichts geringeres als die Hölle auf Erden.
Ich glaube, jedes positive Gefühl setzt die Fähigkeit voraus, sich selbst verzeihen zu können.
Da wünscht man sich doch gläubiger Katholik zu sein. Einfach bereuen, die Beichte ablegen und Gottes Begnadigung empfangen. Und wenn schon der Allmächtige ein Auge zudrückt, dann darf man sich selbst natürlich auch vergeben.
Das Leben könnte so herrlich sein.

 

Two in One

„Berg“ lautet das aktuelle *.txtStichwort.
Zunächst mal habe ich mir überlegt, dass dieses Wort sinnbildlich fürs Durchhalten steht. Gib nicht auf, erklimm das Ding! Überwindung und so weiter, ihr wisst schon.

Oder man könnte auch versuchen, irgendwo einen Höhleneingang zu finden, um in den Berg einzudringen, in der Hoffnung, dass man durch das Innere bis ans andere Ende gelangt. Das ist normalerweise meine Art, Probleme anzugehen. Nicht sehr schlau, denn meistens bleibe ich irgendwo stecken, finde mit Mühe und Not den Weg zurück und bin danach so frustriert, dass ich umkehre.

Doch letztendlich packte mich dann zum Thema „Berg“ die zugegebenermaßen an den Haaren herbeigezogen wirkende Konnotation „Kluft“.
Denn mit Kopf-Klüften, da habe ich es im Grunde genommen jede Sekunde meines Lebens zu tun. Also – Hopp! – springen wir jetzt mal auf den Berg bis zur erstbesten Kluft, aber nicht darüber. Denn genau da unten liegt das Problem begraben: Meine ist zu breit und tief.

Ich weiß nicht, ob ich das jetzt zu ungenau/populärwissenschaftlich formuliere, aber so in etwa teilt sich das menschliche Hirn (bewohnt von jeder Menge Gespenstern) in zwei Hälften: die Rechte, zuständig für Emotionen und die Linke, zuständig für Logik. Das lernt man irgendwann in der Schule oder von Amy Farrah Fowler.
Gefühl vs. Verstand, eines der ältesten Themen der Welt. Letztendlich muss der Mensch sich von Fall zu Fall für eines von beidem entscheiden. Aber was passiert, wenn er das nicht kann? Dann ist das ganze Leben Patt-Situation, man kann es sich niemals selbst Recht machen.

In Mathe bin ich – nun ja – so dumm wie man nur sein kann (Fachbegriff: Dyskalkulie), logische Schlussfolgerungen aufgrund von Erfahrungswerten, ganz besonders im zwischenmenschlichen Bereich, liegen mir hingegen sehr. Doch was bringt mir das? Weniger als Nichts. Denn es ist entsetzlich frustrierend, Probleme zwar zu durchschauen, sie aber aufgrund übermächtiger Gefühle trotzdem nicht lösen zu können. Das bedeutet nichts anderes als dauerhaften Kontrollverlust. Echt beschissen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass ich ein komplett anderes Leben führen würde, wäre die Kluft zwischen meinem Verstand und meinem Gefühl nur ein kleinwenig schmaler geraten. Denn dann besäße ich die Freiheit, Lebensentscheidungen treffen zu können, mit denen ich mich selbst identifizieren und zufriedenstellen kann. Stattdessen machen sich meine beiden inneren Zänker ständig gegenseitig Vorwürfe.
Vielleicht geht es dem ein oder anderen unter Euch ähnlich, aber ehrlich gesagt bringt das weder Euch noch mir irgendeinen Nutzen. Durch meine Zerrissenheit bin ich schwach, sehr schwach sogar, aber mindestens genauso zäh. Weil ich nun mal muss.

P.S.: Das klingt alles ziemlich traurig, oder? Aber ganz im Ernst: alles in allem ist das Leben trotzdem eine ziemlich coole Angelegenheit. 🙂

 

Nichtsdestotrotz

Finde ich in meiner Wohnung eine Spinne, nehme ich sie behutsam in meine Hand und setze sie vor der Tür ab. Ich versuche, zu jedem Tier, das mir über den Weg läuft, lieb zu sein. Nichtsdestotrotz stehe ich auf Burger, Steak und Schnitzel. Ich könnte niemals vegetarisch leben.

Alleinsein bedeutet für mich vor allem Entspannung, Freiheit, Luxus. Ich bin verdammt gerne für mich selbst. Nichtsdestotrotz sind mir meine Freunde überaus wichtig. Ohne sie wäre ich einsam.

Den Menschen als Herdentier halte ich für barbarisch, opportun und dumm. Nichtsdestotrotz schätze ich mich glücklich, von dem ein oder anderen immer mal wieder ein erstaunliches Maß an Güte, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft zu erfahren.

Die Öde der Alltäglichkeit geht mir furchtbar auf die Nerven. Nichtsdestotrotz weiß ich ganz sicher, dass mich all die damit einhergehenden Durchschnittsproblemchen vor weit Schlimmerem bewahren.

Ich mag das Frauenbild in der arabischen Welt überhaupt nicht und finde, dass man sich als Gast seiner Umgebung anpassen muss – schon allein aus simpler Höflichkeit. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass ALLEN Menschen, die Hilfe brauchen, auch Hilfe gewährt werden sollte.

Ich halte Leute, die bewusst und häufig den Begriff „Nichtsdestotrotz“ verwenden, für Idioten. Nichtsdestotrotz schreibe ich gerade diesen Text.

(M)ein Leben ist voller Gegensätze. Nichtsdestotrotz werde ich die Suche nach einfachen Antworten wohl nie aufgeben. Ganz einfach deshalb, weil ich ein Mensch bin.

 

Die Kunst des Auf(er)stehens

Schwermut, Traurigkeit, Melancholie, darüber könnte ich viel erzählen. Ich beneide jeden, der ein unbeschwerteres Gemüt als meins mit sich herumträgt. Das Leben könnte so viel leichter sein!
Jetzt aber Schluss mit dem Gejammer. Ich möchte erzählen, wie man aus dem Zustand der Niedergeschlagenheit Kraft schöpfen kann.

Als schwermütiger Mensch fühlt man sich oft kraftlos. Schon das Zubereiten einer Mahlzeit oder Zähne putzen erscheinen einem wie eine Marathon-Aufgabe. Man wirft sich die eigene Passivität vor und grämt sich dadurch noch mehr. Je länger diese Phase dauert, desto größer wird der Druck, von innen wie auch von außen, denn viele andere können das enorme Ausmaß an Lähmung längst nicht nachvollziehen.
Es ist, als würde man in einem stockfinsteren Brunnen sitzen und müsste an den glatten, glitschigen Wänden rausklettern.

Doch irgendwann kommt ein Punkt, der die Chance auf Veränderung mit sich bringt. Irgendein winziger positiver Impuls, der einem endlich mal wieder eine kleine hausgemachte Serotonindosis schenkt. Ebendieses Lichtlein, das von irgendwo daherkommt, gilt es nun zu nutzen.
In dem einen Moment größter Überwindung muss man aufstehen wie Phoenix aus der Asche, sich den Staub von den Schultern klopfen und weitermachen.

Meiner Erfahrung nach gilt Folgendes: Die eigene Leidensfähigkeit ist nichts anderes, als Stärke, die man gegen sich selbst verwendet. Die Kunst besteht nur darin, dieses enorme Potential zu nutzen, statt sich davon erdrücken zu lassen. Vielen äußerst kreative oder auf andere Weise begabte Menschen schöpfen ihren Antrieb aus starkem Leidensdruck. Allerdings gestehe ich auch die Vermutung, dass die meisten davon ihre Erfolge sofort gegen pure „Normalität“ eintauschten.

Alle Schwermütigen, egal ob mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet oder nicht, können auf eines stolz sein: Sie haben sich alle schon das ein oder andere mal am eigenen Schlafittchen aus dem Schlamm gezogen, was in der physikalischen Welt ein Ding der Unmöglichkeit ist.

 

Die liegende Acht

Unendlichkeit. Ein Begriff, der unseren Verstand überfordert und eben deshalb fasziniert. Eines der Geheimnisse, denen der Mensch schon seit tausenden von Jahren hinterherjagt. Wie eine Katze, die ihren eigenen Schwanz fangen will.
Wir feiern unsere Genies gewiss zu Recht, aber dennoch sind sie eben bloß Menschen. Unsere vielleicht größte Tragödie besteht aus einem viel zu großen Wissensdurst eines viel zu beschränkten Geistes, der immer nur mit dem Bruchteil eines ungenießbar-salzigen Tropfens aus dem Ozean gestillt wird. Vielleicht war es das, was Albert Einstein mit grenzenloser menschlicher Dummheit meinte.

Physiker mögen die Urknall-Theorie in 100 Jahren als so lächerlich enttarnt haben, wie wir heutzutage die Idee, die Erde sei eine Scheibe. Dennoch werden sie auch dann noch unendlich weit von den Geheimnissen des Lebens entfernt sein. Denn der Unendlichkeit kann man sich als Mensch nicht nähern.

Unser Geist ist beschränkt, denn er grenzt sich bei dem Versuch, die Welt zu begreifen, von ihr ab. Wir brauchen klare Strukturen, die Natur aber nicht, sie funktioniert weit jenseits jeden Verstehens.
Vielleicht sind Tiere und Pflanzen die höher entwickelten Lebewesen auf diesem Planeten. Sie schaffen es, um ihrer Existenz willen zu existieren. Wir Menschen passen dagegen nirgendwo so richtig rein. Wir begreifen uns selbst gerade wenig genug, um nicht durchzudrehen und um zu wissen, dass wir nichts wissen. Wir sind schon ein echter Brüller.

In den höheren Wissenschaften gibt es haufenweise unauflösbare Widersprüche, die sich unserem Verstand verschließen. Wer weiß, vielleicht sind es genau diese Paradoxa, die die Welt im innersten zusammenhalten, die das geheimnisvolle Gleichgewicht des Lebens erzeugen.
Menschliche Ekenntnis entstünde vermutlich dann, wenn wir uns nicht länger weigerten, uns als die winzigen Teilchen zu betrachten, die wir nun mal sind. Wenn wir uns endlich mal ein bisschen weniger wichtig nähmen. Und wenn wir uns endlich mal verzeihen könnten, dass wir bloß Menschen sind.

 

Glückstück

Was macht den Menschen denn nun glücklich? Liebe, Macht, Geld, Schönheit? Essen auf dem Tisch, Dach überm Kopf? Altruismus? Geborgenheit? Verantwortung? Natur? Freiheit? Familie? Die einfachen Dinge des Lebens? Extase? Meditation? Religion? Serotonin? Dopamin? Seelisches Gleichgewicht? Oder von allem etwas? Oder gerade nichts davon? Oder liegt ES tatsächlich irgendwo in der Mitte?

Kennt Ihr tatsächlich irgendeinen erwachsenen, halbwegs vernunftbegabten Menschen da draußen, der sich selbst ehrlich und dauerhaft als glücklich bezeichnen würde? Ich jedenfalls nicht.

Mit tatsächlich nur wenig Bitterkeit im Herzen behaupte ich, dass ich kein glücklicher Mensch bin, nie war oder sein werde. Aber ich will auch gar nicht. Der Preis ist mir nämlich zu hoch. Man müsste schon von Grund auf ignorant sein, um ewig freudestrahlend durch diese unsere Welt zu tanzen.

Ich glaube, dass wir den Zustand des „Glücklich Seins“ zur Gottheit erhoben haben, für die wir alles zu tun bereit sind. Sie offenbart sich uns aber höchstens mal als Erinnerung oder in glitschigen Momenten großer (Vor)Freude. Das Wesen des Glücks (und damit erzähle ich mal wieder niemandem was neues) liegt gerade in seiner eigenen Vergänglichkeit. Deshalb enden auch bloß Märchen mit „…und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.“

Aber scheiß doch drauf, lebenswert ist das Leben trotzdem!