Älterwerden

Älterwerden bedeutet nicht viel mehr, als die rar gesäten Momente des Glücklichseins bewusster zu erleben.
Und das ist nun wirklich nix, wovor man Angst haben müsste.

 

Alles gut

Solange Ihr gesund genug seid, um Genuss zu empfinden,

solange Ihr geliebte Menschen in Eurem Leben habt,

solange Ihr Euch selbst ernähren könnt und

solange Ihr jederzeit gehen könnt, wohin ihr wollt,

ist alles gut.

 

 

Sie

Fängt und foltert Dich jedes Mal aufs Neue.
Raubt Dir Dein bisschen Vernunft.
Beherrscht Dein Denken und Handeln.
Saugt Dich aus und treibt Dich an.
Tarnt sich unverschämt lieblos als Liebe.
Frisst Dich auf und kotzt Dich wieder aus.
Und zwingt Dich zur Hoffnung.

Sie schwächt Dich.
Immer wieder, immer mehr.

 

K&K: Sonntagsgedanke

Das einzige ideelle Lebensmuss besteht im Ertragen der Konsequenzen, die durch das eigene Handeln entstehen.

Sicherheit, Kontrolle, Liebe, Verantwortung:
Optionale, wenn nicht sogar illusorische Konstrukte, erdacht um die menschliche Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit zu stillen.

Frei ist, wer versteht, dass Freiheit nicht existiert.

 

Pfirsich



Als ich 30 wurde, fand ich das prima. Zehn Jahre später, auch bekannt als „vor ein paar Wochen“, befand ich mich in vergleichsweise mäßiger Stimmung.
Bis jetzt habe ich es noch nicht geschafft, die 40 tatsächlich zu verinnerlichen. Ich fühle mich einfach bloß ziemlich eigenartig – als stünde ich hinter einer Tür, die sich ein für alle Mal geschlossen hat.

Ich mache mir so meine Gedanken: In DEM Alter sollte man doch ganz automatisch irgendwie irgendwo angekommen sein, oder? Vieles von dem, was mir mit 20 schwierig schien, sollte ich doch mittlerweile ganz locker hinnehmen können, oder?
Dabei bin ich großteilig immer noch dieselbe Idiotin, die ich vor 20 Jahren auch schon war und heule, nur mal so als Beispiel, angesichts der neuesten gescheiterten Beziehung in mein leergelöffeltes Nuttellaglas.

Obwohl ich unter den heißen Mädels auf der Straße außer Konkurrenz laufe (die könnten schließlich meine Töchter sein) fühle ich mich mit denen emotional sehr viel mehr verbunden als mit dem, was ich unter dem Gefühlsleben einer 40-Jährigen verstehe: innerlich gelassen, reif, einfach insgesamt stabiler.
Ihr Jüngeren da draußen dürft das ruhig als kleine Warnung sehen: Abgesehen davon, dass ihr Euch körperlich zu Eurem Nachteil verändert, passiert in Eurem Leben leider überhaupt nichts automatisch. Und als selbstverständlich empfindet man im Laufe der Jahre immer weniger, anstatt mehr. Aber das ist auch gut so.

 

Momentaufnahme

Ein ungewöhnlich warmer Septemberabend. Die Straße voller Leben, die Tische vor den Kneipen zum fast letzten Mal besetzt. An jeder Ecke plaudern Leute, ab und zu ein unbeschwertes Lachen, Licht und Luft erfüllt von Wärme, niemand allein oder traurig. Keine peinlichen Profilierungsversuche, kein frustriertes Gelalle. Weit und breit nur fröhliche Menschen in gemeinsamer Sorglosigkeit.

Ein Moment, zu selten, zu vollkommen um hinterfragt zu werden.
Er ist jetzt und vielleicht sogar ein Wunder.

 

Nur eine Katze

Für den Bruchteil einer Sekunde hat mein Hirn seinen Tod verdrängt und ich halte aus dem Augenwinkel Kleidungsstücke auf dem Bett oder Blumenkübel auf der Fensterbank für ihn, meinen geliebten Ossi.
Wann wirft mich der Schock nicht mehr in diesen bodenlosen Schacht?

Ich habe ihn verzweifelt angefleht, mich nicht allein zu lassen. Habe ihm gedankt für hunderttausend Trost spendende, lustige, nervtötende, warme Momente. Natürlich hat er all das nicht verstanden.

Er war so erschöpft. Er wollte nicht mehr. Ich musste ihn gehen lassen.

Der Anblick seines noch warmen, toten Körpers hat sich in mein Gehirn gebrannt. Er sah aus, als würde er schlafen, wie immer. Aber er schlief nicht. Gestreichelt habe ich ihn trotzdem. Und ein letztes Mal meinen Kopf in seinem Fell vergraben. Sein Geruch hat mich immer beruhigt.

Er hat aus uns eine Familie gemacht, von der jetzt bloß noch ich übrig bin.

Es gibt Momente, in denen der Schmerz so überwältigend ist, dass ich wünschte, ich wäre an seiner Stelle gegangen.
Dumm, lächerlich, verwerflich? Bestimmt. Aber dennoch wahr.

Er war nur eine Katze.

 

Schuld und Unschuld

Das Wort „Weiß“ beim Projekt *.txt.
Das Symbol der Unschuld. Ein leeres Blatt, unbefleckt. Ein äußerst fragiler Zustand, der verdammt schnell vergehen kann.

Es gibt Menschen, die versuchen, so viel wie möglich richtig zu machen und sich dennoch oft oder sogar zeitlebens schuldig fühlen. Denn Fehler begehen wir alle, ganz egal wie sehr wir uns bemühen.
Den wirklich Bösen hingegen geht es prima. Sie schaffen es, jede noch so schreckliche Tat vor sich selbst zu rechtfertigen. Die Folter durch das eigene Gewissen wird nur denen zuteil, die auch ein solches besitzen.
Egal, ob berechtigt oder nicht, Selbstquälerei bringt niemals etwas Gutes hervor. Sie hat stets einen zerstörerischen Charakter, dazu ist sie schließlich da. Wer sich dauerhaft grämt, erlebt nichts geringeres als die Hölle auf Erden.
Ich glaube, jedes positive Gefühl setzt die Fähigkeit voraus, sich selbst verzeihen zu können.
Da wünscht man sich doch gläubiger Katholik zu sein. Einfach bereuen, die Beichte ablegen und Gottes Begnadigung empfangen. Und wenn schon der Allmächtige ein Auge zudrückt, dann darf man sich selbst natürlich auch vergeben.
Das Leben könnte so herrlich sein.

 

Wer kann Liebe?

„Wer lieben kann, ist glücklich“, titelte Hermann Hesse vor langer Zeit. Allein die Fähigkeit zur Liebe soll uns also beflügeln. Da stellt sich die Frage, inwieweit wir überhaupt dazu imstande sind.
Als Partner, Freund oder Elternteil hält sich jeder zunächst mal für liebestauglich – doch was, wenn Unvorhergesehenes Schlimmes passiert? Wenn schwere Krankheiten, Schicksalsschläge oder auch nur 20 Kilo mehr als früher all das Gefühltgeglaubte auf eine harte Probe stellen? Liebt man denn nur dann, wenn man alle eigenen Bedürfnisse hintanstellt? Und: wo hört die Liebe auf und die Selbstaufgabe fängt an?
Denn es heißt doch immer so schön, dass nur derjenige andere lieben kann, der auch sich selbst liebt. Was bedeutet Selbstliebe überhaupt? Stolz, Selbstbewusstsein oder gesunder Egoismus? Oder alles zusammen?

Ich weiß eigentlich nur, dass ich es unendlich satt habe, nach Antworten zu suchen, wo keine sind.

Erich Fromm schrieb in etwa, Liebe sei die Entscheidung zur Liebe. Vielleicht liegt darin etwas Wahrheit.
Doch auch entscheiden muss man sich immer wieder aufs Neue. Oder eben irgendwann revidieren.