Quarantäne

Die Sonne scheint hämisch zwischen den Rolladenspalten durch. Ich hasse sie dafür.
Scrolle durch die hohlen Weiten des www, langweilig, neidbringend, ätzend.
Kreise um meine leeren Gedanken, ohne Zweck, ohne Ergebnis.
Nutzlose Stunden, vergeudet allein durch Selbstmitleid.
Die Welt findet ohne mich statt.
Und ich gar nicht.

 

Niven und Higgs


Normalerweise rezensiere ich nicht. Zum einen gibt es mehr als genug Kritiken im Netz, zum anderen finde ich es anmaßend, Leute in etwas zu beurteilen, das ich selbst nie auf die Reihe gekriegt habe, wie beispielsweise das Schreiben eines Buches.
Und abgesehen davon hasse ich das mit Rezensionen oft einhergehende prätentiöse Gelaber.
Die letzten beiden Bücher, die ich gelesen habe, haben mich aber dermaßen beeindruckt, dass ich sie unbedingt als Doppelpack-Empfehlung an Euch weitergeben möchte.

Continue reading

Im Paradies

Projekt *.txt: verklären

Ich grabe mir meinen Weg immer tiefer in die Illusion hinein.

Hier gibt es nur schwarz und weiß, jeder weiß, wer wessen Feind ist. Überall herrlich einfache Antworten.
Fast nie begegne ich der Traurigkeit und wenn doch, umgibt sie eine Hülle von Mitgefühl und Trost.
Jeder ist schön oder zumindest originell, niemand langweilt sich.
Ständig taucht irgendwas Lustiges oder irgendwas Niedliches auf.
Die Liebe scheint allgegenwärtig, wohlig warme Koseworte und Freunde soweit das Auge reicht.
Maximale Anerkennung bei voller Kontrolle.
Keinem gefällt irgendwas nicht, jedem gefällt vieles. Und wer am meisten gefällt, hat gewonnen.

Hier kann ich sein, wer ich will, dies ist meine Realität.

 

 

K&K: Die dümmste Drohung der Welt

Ich habe sie hier schon das ein oder andere mal benörgelt: Leute, die sich selbst für das Epizentrum des Universums halten. Dementsprechend monumental schätzen sie natürlich auch ihre Bedeutsamkeit für das Leben anderer Menschen ein und drohen deshalb jedem, der ihrer Meinung nach einen virtuellen Fauxpas begeht, mit dem Rausschmiss aus ihrer Facebook-Freundesliste.

Was könnt einem auch Schlimmeres passieren?!?!

Ich male mir jetzt mal ein paar maximale Horror-Szenarien aus:
Ich warte auf den Bus und er kommt zehn Sekunden zu spät.
Ich liege im Bett und zwei oder sogar drei Keks-Krümel kitzeln mich kurz.
Ich gehe im Wald spazieren und von irgendeinem Ast irgendeines Baumes fällt ein Blatt auf mich drauf.
Und natürlich: ich schlage die Zeitung auf und lese, dass in China schon wieder ein Sack Reis umgefallen ist, was mich jedes Mal aufs Neue zutiefst schockiert.

Nur damit ihr alle da draußen genau Bescheid wisst: Der nächste, von dem ich eine Rausschmiss-Drohung gegen irgendjemand anders lese, fliegt direkt aus meiner Freundesliste!

 

Petition gegen hirnrissige Petitionen

Update: Avaaz.org hängt leider seit Wochen, auch der Service antwortet nicht. Ich kann meine Fehler nicht verbessern und werde die Petition erstmal „in Ruhe lassen“.

 

Online-Petitionen sind grundsätzlich eine sinnvolle Sache, denn sie können unter Umständen politische Entscheidungen beeinflussen. Somit hat jeder die Möglichkeit, ohne viel Aufwand seinen kleinen Teil zu wichtigen Reformen beizutragen.

Leider werden die Petitionen mittlerweile aber vermehrt als manipulative Meinungsmache missbraucht, die ausschließlich dem pekuniären Eigennutz Einzelner dienen soll.

Eine Inflationierung wird irgendwann dazu führen, dass einzelne, wichtige Kampagnen nicht mehr ernst genommen werden. Mit dieser grotesken Petition soll auf diese Gefahr aufmerksam gemacht werden.

Petition gegen hirnrissige Petitionen!

 

Es sind nicht nur die Trolle

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich über einen Blog-Berater-Blog gestolpert, dessen Autor seinen Schäfchen Tipps zur aktiven Shitstorm-Auslösung gab. Um es ganz deutlich auszudrücken: Es ging darum, einen provokanten Beitrag zu verfassen, mit dem einzigen Ziel, sich anschließend von möglichst vielen Leuten beschimpfen zu lassen.
Es wird Euch kaum schwerfallen, den Grund für dieses bizarre Vorhaben zu erraten: möglichst viel Aufmerksamkeit.
Worum sollte es denn wohl auch sonst gehen beim Web 2.0?

Grundsätzlich ist der Wunsch nach Beachtung ja eine ganz normale Sache. Jeder möchte mal im Mittelpunkt stehen. Ich schreibe meinen Blog auch nicht nur für mich selbst. Und ich bin by the way alles andere als ein Kind von Traurigkeit, was meine Wortwahl und Stilmittel betrifft.
Beunruhigend finde ich aber, dass viele Leute bereit sind, einen abscheulichen Preis für ein bisschen Aufmerksamkeit zu zahlen: die öffentliche Demütigung anderer.
Getreu dem altbekannten Kindergarten-Motto „Wer am lautesten schreit, hat Recht“ wird verbal aufeinander eingeprügelt was das Zeug hält. Bestes und zugleich traurigstes Beispiel für diese Art der Kommunikationspervertierung bieten hier viele (so genannte) Diskussionen auf Facebook, bei deren Verfolgung mir manchmal buchstäblich schlecht wird. Fakten und konträre Meinungen werden absichtlich bis zur Unkenntlichkeit verkürzt, jeder beharrt auf seinem „moralisch einwandfreien“ Standpunkt während abweichende Ansichten sofort als verwerflich, vor allen Dingen aber als dumm abgetan werden. In diesem Zusammenhang wird dann auch öfters noch mit persönlichen Beleidigungen um sich geworfen, dass es nur so kracht.

Und warum der ganze Mist?

Das Social Web hat uns zu Gefällt-Mir-Nutten erzogen. Das Niveau auf Facebook & Co gleicht dem der BILD-Zeitung, weil die Nutzer für Polarisierungen jede Menge Likes kassieren, während gründliche Darstellungen wenig Lob finden. Denn die sind 1. in der Regel länger als ein Satz und 2. zu komplex, als dass sie ein klares „dafür“ oder „dagegen“ in den Köpfen der Leser auslösen. Dabei weiß doch eigentlich fast jeder, dass es in Wahrheit so gut wie nie einfache Antworten gibt.
Beim Social Web mag es um vieles gehen, aber sicher nicht um Kommunikation im Sinne von Verständigung.

Deshalb muss jetzt mal ganz dumm fragen:
Kommt das beschissene menschliche Wesen durch die (zumindest) gefühlte Web-Anonymität erst richtig zur Geltung?
Oder sind die vielen vernünftigen und netten Leute mittlerweile einfach schon zu resigniert, um noch mitzureden?

Klar, es gibt glücklicherweise auch noch Diskussions-Threads, in denen respektvoll miteinander gesprochen wird. Aber ich habe das Gefühl, die werden immer seltener. Schrecklich traurig, oder?

 

K&K: Promi-Möpse

Wer kann so unfassbar naiv sein, seine privaten Nacktfotos in einer CLOUD aufzubewahren?

Rischschtischsch!!

Weltbekannte Promi-Damen, die sich eigentlich bestens mit dem Thema Privatsphäre-Schutz auskennen müssten.

Tja nun, Dummheit schützt vor Strafe nicht.

Oder vielleicht doch nur eine gigantische PR-Aktion?

Egal, jedenfalls findet Ihr bei

Josef Max  die lecker Fotos…

 

K&K: Interessante Zeiten

Ich bin „anti“ und „bloß neidisch (??)“, weil ich es dämlich finde, sich einen Kübel Eiswasser über die Birne zu kippen und das Video davon auf Facebook zu teilen?

Ich muss schon sagen: Wir leben in interessanten Zeiten.

P.S.: Ich rufe hiermit zur #KleinenFingerAbhackChallenge auf und nominiere einfach jeden auf der Welt und im Universum. Es geht dabei um die Erforschung der Krankheit PN (Profilneurose).

 

Ei der Daus!

Allerorts leichte Mädchen, die sich für liederliche Lustmolche entblößen, gefallene Engel, die einstmals entzückende Fräuleins waren, dem Müßiggang frönende Tagediebe, Humbug treibende Halunken, flegelhafte Heiopeis, nassauernde Habenichtse, Schluckspechte, Schnapsdrosseln und Bordsteinschwalben.
Wer mag derlei groben Unfug, derlei unmanierliches Schindluder, derlei mannigfaltige Schurkerei, derlei Hottentotterei erdulden?!

Und Potzblitz!
Neuzeitliche Rechenmaschinen, welchen ein kolossales Lügengeflecht aus aller Herren Länder innewohnt – Teufelswerk!!

Ruchloses Menschentum, Du bist dem Untergang geweiht!

 

Mehr famoser Firlefanz, Mumpitz, Schabernack, Kokolores??

facebook.com/groups/Fastvergessenedeutscheworte

 

Jenseits der Schmerzgrenze

Ich berichte alles andere als eine Neuigkeit, wenn ich jetzt und hier feststelle, dass der allgemeine Sinn für Privatsphäre enorm gesunken ist, seitdem jeder sein Telefon überall hin mitschleppt. Um meines Seelenfriedens willen muss ich dennoch nachdrücklich und wann immer sich mir die Gelegenheit bietet darauf hinweisen, dass mir lautes und ewig langes Gequatsche in der Öffentlichkeit ganz grässlich auf den nicht vorhandenen Sack geht. Besonders großer Quatscher-Groll erfüllt mich regelmäßig in Zügen, Bussen und S-Bahnen, denn dort ist sofortiges Entkommen unmöglich.

Bekanntermaßen hat das Smarthphone mittlerweile das Handy vom Thron gestoßen und viele Leute aktualisieren inzwischen in öffentlichen Verkehrsmitteln zwanghaft alle 10 Sekunden ihre Facebook-Status (jaaa, Status mit lang ausgesprochenem „u“ ist der Plural von Status). Dieser Irrsinn geht aber wenigstens leise vor sich und bewahrt mich davor, all das aufzuschnappen, was ich niemals NIEMALS aufschnappen wollte.

Leider gibt es die Quatscher aber trotzdem noch, im Zug beispielsweise immer exakt einen pro Abteil. Und so hatte ich neulich (wie so oft) das Pech, mir den Platz direkt gegenüber einer besonders penetranten Abteil-Quatscherin ausgesucht zu haben. Da meine Aggressionen auf die Dame während ihres 15minütigen Gesprächs stetig gewachsen sind, befreie ich mich im Folgenden von ebendiesen, um in Anschluss der Menschheit wieder mit meinen ausgeglichenen und fröhlichen Wesen dienen zu können:

Sie war um die 20 und eine weibliche Studierende. Ich nenne sie ganz bewusst nicht Studentin, denn weibliche Studierende tragen im Gegensatz zu Studentinnen eine aufdringlich brave, aufdringlich langweilige und aufdringlich politisch korrekte Außenwirkung mit sich herum. Außerdem schaffen sie es irgendwie, permanent beleidigt auszusehen und haben fast immer diese guttural-quengeligen und anmaßend lauten Stimmen.

Ausführlichst besprach sie mit ihrer weiblichen Studierenden-Freundin am anderen Ende der elektromagnetischen Leitung folgende drei Themenkomplexe:

  1. Sie wolle eine andere, vermutlich etwas weniger unerträgliche Dame, ausdrücklich NICHT beim nächsten Coctailabend dabei haben, die sei nämlich „irgendwie komisch“ zu ihr gewesen. (gibt es auf dieser Welt irgendwas beknackteres als Coctailabende?)
  2. Abends zuvor sei sie mit ihrer Freundin in Saarbrücken (Startbahnhof) ausgegangen, aber nur zum Essen und nicht „in die Disco“ und Saarbrücken sei „sehr nett“, aber Heidelberg sei „von den Häusern her und so doch schon noch schöner.“
  3. Sie sei für die folgenden vier Wochenenden ja schon sooh dermaßen verplant, unter anderem fahre sie auf eine Weinmesse (unfassbar: mit 20 hat nicht auf Weinmessen zu fahren. Man hat gefälligst Vodka auf Parkbänken zu trinken).

Es mag maßlos übertrieben klingen, aber an diesem Tag wurde mir schmerzlich bewusst, dass mich wildfremde Menschen allein durch ihre langweiligen Geschichten aus ihrem langweiligen Leben traumatisieren können. Da meine Psyche ohnehin schon etwas zu viel Laste spazieren trägt, ist es ist vielleicht an der Zeit, mir ein ein Auto zu kaufen oder zumindest einen MP3-Player.