Plötzlich unsterblich

Nochmals danke an alle Paraden-Teilnehmer. Ich hoffe, mein kleines Gedankenspiel „Plötzlich unsterblich“ hat Euch auf die ein oder andere Art neue Einsichten beschert.
Hier folgt nun noch mein Senf zu „Plötzlich unsterblich“:

Gibt es Aspekte in Deinem Leben, an denen Du bereits kurzfristig etwas ändern würdest?
„Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter.“
Ich möchte gerne glauben, dass ich paradoxerweise ähnliche Konsequenzen aus meiner Unsterblichkeit ziehen würde wie aus einem Todesurteil. Das hieße, mich aufs Wesentliche wie Freundschaft, Liebe, Weltverbesserung, all sowas zu konzentrieren. Denn schließlich hätte ich mich selbst im wahrsten Sinne des Wortes für immer an der Backe. Da will man doch versuchen, so wenig wie möglich falsch zu machen, um sich nicht irgendwann ob der eigenen Schuldgefühle in der hausgemachten Hölle wiederzufinden.
Allerdings hätte ich vermutlich auch jede Menge Zukunftsangst. Realistisch betrachtet würde ich also, obwohl ich als Sterbliche kein besonders materialistischer Mensch bin, erstmal versuchen, Geld ranzuschaffen, zur Beruhigung sozusagen. Mit einem Vermögen auf dem Konto könnte ich mir besser vormachen, die Zukunft unter Kontrolle zu haben.
Und überhaupt: Das ewige Leben könnte sich als ziemlich teure Angelegenheit entpuppen.

Welchen neuen Zielen und Aufgaben würdest Du Dich als Zeitmilliardärin stellen?
Jeden Winkel der Welt bereisen. Die Menschen kennenlernen. Alle Bücher lesen, die mich je interessiert haben und je interessieren werden. Höhere Naturwissenschaften verstehen lernen (wofür ich wohl tatsächlich eine Ewigkeit bräuchte). Kurzum: Ich hätte kein geringeres Ziel als zu verstehen wollen, was die Welt im Innersten zusammen hält.
Wer weiß, vielleicht wäre die Unsterblichkeit der einzig Weg, das Rätsel des Lebens zu lösen.

Wie würde sich Deine Unsterblichkeit sich auf Deine Beziehungen zu anderen Menschen im hier und jetzt und auch später auswirken?
Ich bin ein Beziehungsmensch, daher käme meine Unsterblichkeit in den ersten Jahrhunderten für mich der Hölle auf Erden gleich. Dennoch glaube ich, dass Zeilenende mit seiner These zur hohen menschlichen Anpassungsfähigkeit auch in Bezug auf Bindungen Recht hat. Nach und nach käme ich mit dem ständigem Verlust geliebter Menschen klar oder würde mich erst gar nicht mehr einlassen.

Wie stellst Du Dir mittel- und langfristig die Zukunft der Menschheit und die des Planeten vor?
Ich gebe zu, ich bin von Natur aus eine Schwarzmalerin und diese Frage ist ein gefundenes Fressen für Pessimisten. Aber mal ehrlich: Es gibt auch wirklich verdammt wenig Anlass zum Optimismus. Der Mensch als solcher denkt und handelt nicht als Vertreter seiner Spezies sondern immer nur als Individuum. Insofern sind seine Ziele auf maximal eine Lebensdauer ausgelegt. Das kann auf wirklich lange Sicht einfach nicht gutgehen. Unsere Ressourcen schmelzen dahin und wir werden einfach nicht klüger, zumindest längst nicht schnell genug. Mittelfristig wird es bestimmt noch jede Menge interessante technische Entwicklungen geben, denen ich gerne beiwohnen würde. Langfristig sehe ich allerdings kaum eine Chance für die Menschheit.

Wenn Du mal ganz ehrlich zu Dir selbst bist: Würdest Du unsterblich sein wollen?
Nein und Ja. In meinem konstruierten Fall hätte ich ja ohnehin nicht die Wahl, aber auch dann, wenn ich selbst entscheiden dürfte, könnte ich dieser größten aller Verlockungen kaum widerstehen; genausowenig wie die allermeisten anderen Menschen.

 

Teilnehmerliste:

Hans von Tagesgedanken:

Claudia von Tipptrick:

Tarlucy von Flashtaig:

Chris von Lebensseite:

Vanessa von Dontburryyourthoughts

Zeilenende von Kaffeetässchen

 

 

Ewig leben?

Freut mich, dass das mein Blogparaden-Thema „Plötzlich unsterblich“ auf Interesse stößt. Allerdings möchte bis jetzt fast niemand das Geschenk der Unsterblichkeit, lediglich Zeilenende könnte sich gut mit dem ewigen Leben arrangieren.
Als kleine Anregung habe ich einige Teilnehmer-Zitate, die mir persönlich besonders gut gefallen, zusammengetragen:

Gibt es Aspekte, die Du kurzfristig ändern würdest?
Hans von Tagesgedanken:
„Ich würde versuchen, das Glück aufzunehmen und immer mal dankbar zu sein.“

Welchen neuen Zielen und Aufgaben würdest Du Dich als Zeitmilliardär/in stellen?
Claudia von Tipptrick:
„Zeitdruck durch eine Deadline oder den Tod kann auch dazu beitragen, dass Menschen aktiv werden.“

Wie würde sich Deine Unsterblichkeit sich auf Deine Beziehungen zu anderen Menschen im hier und jetzt und auch später auswirken?
Hans von Tagesgedanken:
„Wie denken meine Ehefrauen, wenn sie erfahren, dass ich schon öfter goldene Hochzeit hatte?“
„Ich werde ein einsamer Mensch, weil ich den seelischen Schmerz nicht mehr aushalten kann. Immer und immer wieder liebe Menschen zu verlieren und als einziger zurück bleiben zu müssen. Das stelle ich mir brutal vor.“

Wie stellst Du Dir mittel- und langfristig die Zukunft der Menschheit und die des Planeten vor?
Tarlucy von Flashtaig:
„Idiocracy: Das ist die Zukunft der Menschen…..Wir verblöden einfach.“

Chris von Lebensseite:
„Wenn die Menschheit so weiter macht, wie bisher, dann rast sie mit Vollgas auf ihr Ende zu.“

Claudia von Tipptrick:
„Durch die zunehmende Digitalisierung dürfen Menschlichkeit und Tugenden wie Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, Respekt usw. nicht verloren gehen.“

Wenn Du mal ganz ehrlich zu Dir selbst bist: Würdest Du unsterblich sein wollen?
Chris von Lebensseite:
„Ohne die Gewissheit der eigenen Sterblichkeit, würde vieles an Bedeutung verlieren, auch das Leben selbst.“

Hans von Tagesgedanken:
„Wenn wir „Unsterblichkeit“ in der Definition und im übertragenen Sinne sehen: „Zustand, ……nicht vergessen zu werden“, dann wäre ich gerne unsterblich.“

Vanessa von Dontburryyourthoughts:
„Ich hätte viel zu viel Angst davor die Menschen aus meinem Umfeld zu verlieren.“

 

Zeilenende:
„Der Tod ist nicht nur ein Übel, das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit ist außerdem eine Unverschämtheit des Universums.“
„Was mich zunächst zu befreien scheint, gibt mir neue Zwänge auf.“
„Der Unsterbliche kann zwar mehr Wissen erwerben, aber nicht alles wissen und hat immer einen Ansporn, Neues zu entdecken.“
„Der Mensch kann sich wunderbar an sich ändernde Umstände anpassen. Am Anfang wird er betrübt sein, sich häufig neue soziale Kontakte suchen zu müssen, aber er wird irgendwann Routine gewinnen. Außerdem bedeutet jeder neue Freund im Leben ein neues Abenteuer, weil kein Mensch wie der andere ist.“
„Ein ewiges Leben bedeutet nicht, dass wir sorgenfrei wären, sondern andere Probleme als die Sterblichen haben.“

 

Die Höflichkeit der Könige

Ich hasse Unpünktlichkeit. Und ich hasse es, Unpünktlichkeit zu hassen, weil Warterei mich rasend macht. Es ist nicht etwa so, dass ich einfach bloß fahrig davon werde. Ab einem gewissen Punkt erreicht meine Nervosität ein Stadium der zerrend-pochenden Schmerzen, die ab dann Sekunde für Sekunde schlimmer werden. In dieser Situation würde ich mir gerne langsam und genüsslich Schicht für Schicht die Haut vom Gesicht kratzen oder mich sonst irgendwie vollständig dem Wahnsinn hingeben, Hauptsache ich werde irgendwie aus dem Zustand des Wartens erlöst.
Wüssten die Leute, was sie mir mit ihrer Unpünktlichkeit zumuten, würden sie mir diese Folter bestimmt ersparen.

Natürlich reagiere ich emotional viel zu extrem auf die Warterei. Dennoch stehe ich rational voll und ganz hinter meiner Ungeduldsmacke.
Jemanden ohne wichtigen Grund warten zu lassen, bedeutet, ihn fahrlässig seiner Lebenszeit zu berauben. Pünktlichkeit hingegen demonstriert genau das Mindestmaß an Respekt, welches im zwischenmenschlichen Miteinander eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Wohlgemerkt, ich rede hier nicht von ein paar Minuten oder dem akademischen Viertelstündchen. Ich rede von den chronischen Trödlern, die mindestens eine Stunde zu spät kommen ohne auch nur daran zu denken, diesbezüglich mal kurz eine SMS zu schreiben oder anzurufen und dann entgeistert oder sogar sauer sind, wenn man es wagt, sie höflich darauf anzusprechen.

Nein, ich mache mich nicht „mal locker“ und nein, mein Pünktlichkeitsfimmel macht mich nicht zur Spießerin. Jeder kann sein Leben für sich selbst gestalten, wie er möchte. Wer es aber nicht schafft, sich an einfache mitmenschliche Abmachungen zu halten, der zeigt damit kein charmantes Freidenkertum, sondern bloß bocklangweiligen und in wahrsten Sinne des Wortes asozialen Egoismus.

 

Ego-Altruismus

Ich war etwa vier Jahre alt und mit meinem Vater zu Fuß in der Stadt unterwegs, vermutlich auf dem Weg in den Zoo oder in die Eisdiele. Wir sahen einen VW-Käfer (♥) an der Ampel warten, dessen Besitzerin sich ihren bunten Rock in der Fahrertür eingeklemmt hatte. Mein Vater ordnete mir an, auf dem Bürgersteig zu warten, bahnte sich seinen Weg durch die anderen wartenden Autos hin zu der Rock- und Käferbesitzerin, klopfte an ihre Scheibe, wies sie auf ihr Missgeschick hin und rannte wieder zurück zu mir. Mittlerweile hatte die Frau die Tür geöffnet und ihren Rock reingezogen. Als die Ampel auf grün schaltete, winkte sie uns mit einem warmen Lächeln auf dem Gesicht und fuhr davon.

Dieses simple Erlebnis hat mich geprägt. Jedes Mal, wenn ich jemandem begegne, der in einer Unannehmlichkeit oder Notlage steckt, renne ich hin und versuche, zu helfen so gut ich kann.
Das tue ich alles nur zu einem einzigen Zweck: Um mir selbst zu gefallen.
Denn wann immer ich mich minderwertig, hässlich, dumm, einsam oder traurig fühle, wann immer mir danach ist, mich bis zum Ersticken in meinem Selbstmitleid zu suhlen, rufe ich mir in Erinnerung, dass ich zumindest ein Rückgrat habe, dass ich zumindest Eier in der Hose habe, dass ich zumindest schon mal zu irgendwas gut war.
Dann fällt mir manchmal auch wieder ein, wie sich der ein oder andere tatsächlich bei mir bedankt hat, wie mir erzählt wurde, dass viele andere zu ängstlich, ignorant oder beides waren und einfach weitergegangen sind, dass es nur wenige Menschen mit Zivilcourage gibt, obwohl ebendiese zu den größten zwischenmenschlichen Selbstverständlichkeiten zählen sollte.

Helft der alten Dame über die Straße, ruft die Polizei, wenn der Mann seine Frau ohrfeigt, fragt an der Unfallstelle, wie ihr helfen könnt statt zu gaffen und rüttelt den Penner, der mit geschlossenen Augen auf dem Bürgersteig liegt und vielleicht bloß seinen Rausch ausschläft, vielleicht aber auch ohnmächtig oder verletzt ist.

Tut es für Euch selbst!

 

Tapfer sein

Während ich morgens meine kleine Runde jogge, begegnet mir meist ein fröhlicher älterer Herr, der um diese Uhrzeit seinen Schnauzer Gassi führt. Er winkt mir dann immer freundlich zu und gibt mir bisweilen noch eine Durchhalteparole mit auf den Restweg.
„Sie sind aber mal tapfer!“, rief er neulich.
Das war natürlich nett gemeint, dennoch, mein zufälliger Freund hat mich mit dieser Aussage unabsichtlicherweise beschämt.

Es gibt jede Menge Menschen da draußen, die es verdient haben, als tapfer bezeichnet zu werden.
Einige davon kämpfen jeden Tag gegen Hunger oder Durst, andere gegen unvorstellbare Schmerzen oder tödliche Krankheiten, wieder andere im Krieg gegen staatlich vorgegebene Feinde und wieder andere für ihre natürlichsten Grundrechte.

Tapfer, nur weil ich morgens bisschen durch die Gegend jogge? Nein, echt nicht.

 

Plastik, Stein, Stahl

Wenn ich mich an den guten alten Talkshow-Zoff zurückerinnere, denke ich vor allem an jene geistig (und dental) benachteiligte Gäste, welche anderen ähnlich gestrickten Gestalten gerne vorwarfen, sie wären „falsch“, sie würden ihr „wahres Gesicht“ nicht zeigen.
Das kollektive Talkshow-Bewusstsein forderte stets Ehrlichkeit ein, ganz egal ob ein Kuckuckskind im Nest lag oder die Ex-Alte einfach bloß fremdgefickt/Kohle geklaut hatte.

Den frommen Wunsch nach Wahrhaftigkeit hegen nicht bloß die suboptimalen Gesellschaftsschichten, welche gerade für meine Einleitung herhalten mussten. Authentizität und Offenheit sind angeblich überall und zu jeder Zeit unheimlich wichtig. Wer sich hingegen hinter einer Fassade versteckt, möchte betrügen und täuschen.
Schon möglich.

Aber vergessen wir bei dieser Annahme nicht etwas ganz Entscheidendes? Die Welt da draußen ist leider viel zu kompliziert und schmerzhaft, als dass wir uns ihr dauerhaft ohne Schutz stellen könnten. Wir alle errichten Fassaden um uns herum, weil wir sie brauchen – nach innen mindestens genauso sehr wie nach außen.
Vielleicht kommt es vielmehr darauf an, welches Material wir für sie verwenden.

Bestehen sie aus Plastik, sind sie ungemein nützlich, aber künstlich. Bestehen sie aus Stein, sind sie stabil, aber starr und grau. Bestehen sie aus Stahl, ist sind absolut undurchdringlich, aber von beiden Seiten.
Bisschen zu metaphorisch? Meinetwegen.

Dennoch und auch wenn ich mich wiederhole: Wir alle bauen uns unsere Fassaden, sie bieten uns Stabilität und Schutz. Aber gleichzeitig halten sie uns natürlich auch gefangen.
Die Kunst kann immer nur darin bestehen, sie im richtigen Moment niederzureißen.

 

DEIN? Leben

Nochmals vielen Dank an Dominik Leitner/ Neon Wilderness für die Idee und Umsetzung des Projekts *.txt!

„Das musst Du wissen, es ist schließlich DEIN Leben“. Hasst Ihr diesen Satz auch so sehr wie ich? Der impliziert nämlich meistens, dass man gerade zu einer Handlung ansetzt, die das jeweilige klugscheißerische Gegenüber für einen verdammt groben Fehler hält.

Als Mensch hat man die Ehre, sich des kostbarsten aller Geschenke bewusst zu sein. Damit einher geht automatisch die Verantwortung für das eigene Leben, ganz egal, ob man sie überhaupt will und genauso egal, ob man sich dazu in der Lage fühlt.

Besitzen wir also tatsächlich unser Leben oder verhält es es nicht vielmehr genau andersrum?
Wir funktionieren, spielen Rollen, rackern uns ab, versuchen das Richtige zu tun. Und die meiste unserer wertvollen Zeit geht sowieso drauf, indem wir Dinge tun, die wir gar nicht tun wollen, damit wir ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Tisch haben.

Ich möchte manchmal vor dem Leben, das angeblich in meiner Hand liegt, wegrennen. Irgendwohin, wo nichts und niemand irgendwas von mir abverlangt. Wo ich niemals Kompromisse machen muss. Aber ich weiß auch ganz genau, dass dieser Ort da draußen, in der großen weiten Realität nicht existiert.

Und dennoch, glücklicherweise finde ich manchmal den Weg.
Ich gelange dorthin, indem ich träume oder indem mein Kater schnurrt, weil ich sein weiches Fell kraule oder indem mein komplettes Blickfeld von einer satten grüne Landschaft erfüllt ist oder indem ich einen innigen Moment mit jemandem teile, der mir am Herzen liegt.
Dann bin ich dort, wo ich frei sein darf, dort, wo MEIN! Leben und ich uns für kurze Zeit wiederfinden.

 

Gleich, demnächst, irgendwann später

„Check mal Deine Mails, ich hab Dir das Angebot weitergeleitet.“
„Jaa, gleich. Erst muss ich noch die dreihundertachtundneunzig anderen ultrawichtichtigen Sachen. erledigen.“

Gleich. Ich verbinde damit Druck, Zwang, Versagen, Enttäuschung.
Ob der vielen Aufgaben, von denen ich nie genug bewältigen kann, bringt mich dieses kleine Wort dazu, vor Verzweiflung zu erstarren.
Auf längere und dadurch noch schwammigere Zeiträume übertragen, gibt es da ja auch noch Killer-Begriffe wie demnächst, bald, irgendwann später.
Mal wieder eine Freundin anrufen, von der ich schon lange nichts gehört habe. Endlich mein Blog-Design überarbeiten. Länder und Städte besuchen, die ich schon immer sehen wollte. Oder wenigstens mal auf einen Kaffee vor die Tür gehen.
….Und mich in Selbsthass suhlen, weil ich noch nichts davon umgesetzt habe.
Denn, wer weiß es schon, vielleicht bin ich ja auch gleich oder demnächst – ganz sicher aber irgendwann mal – tot und dann habe ich alles verpasst.

Sollen wir unsere begrenzte Zeit damit verplempern, uns selbst durchs Leben zu hetzen, oder verplempern wir sie, indem wir nicht genug von dem, was wir uns vorgenommen haben, auf die Reihe kriegen?
Diese Frage treibt mich manchmal echt zur Verzweiflung.
Echt jetzt, ich brauche Abstand zu diesem Dilemma, und zwar gleich – oder wenigstens irgendwann später.

 

Begegnung X

Selten im Leben, aber meist an einem durch und durch gewöhnlichen Ort wie auf der Straße, im Zugabteil oder an der Theke, trifftst Du plötzlich auf jemanden. Einen Menschen X, der Dich erkennt und Du ihn, obwohl ihr euch vorher noch nie begegnet seid.
Vielleicht führt ihr dann ein intensives, ein echtes Gespräch, vielleicht wechselt ihr aber auch nur ein paar kurze Worte oder ihr lächelt euch einfach nur gegenseitig an. Danach werdet ihr euch nie wiedersehen.
Ganz egal wie lange euer einziger gemeinsamer Moment dauert, Du fühlst Dich in ihm geborgen, alles ergibt ausnahmsweise mal einen Sinn. Jeder Mist, den Du gebaut hat, jede Heldentat, die Du vollbracht hast, jeder einzelne Deiner Gedanken und Atemzüge hat Dich zu dieser Begegnung geführt und Du wirst sie nie wieder vergessen.

 

K&K: Die Soziopathisantin

In ständig geringer werdenden Zeitabständen beschleicht mich das Gefühl, ich sei der einzige Mensch innerhalb eines nicht unbeträchtlichen Radius, der des angemessenen Umgangs mit anderen mächtig ist.
Zugegeben, die Wahrscheinlichkeit legt nahe, dass es sich genau andersrum verhält, ganz wie bei dem alten Geisterfahrer-Witz. Also bin ich die Soziopathin? Vielleicht.
Dennoch werde ich weiterhin versuchen, mich meinen Mitmenschen gegenüber höflich zu verhalten, meine schlechte Laune nach innen abfließen zu lassen und als allerallerallererstes vor meiner eigenen Haustür zu kehren, bevor ich mich über den Dreck anderer beklage.
Ja, ich weiß. Mit dieser Geisteshaltung gehöre ich in die Klapse.