Schwarzweiß

Die meiste Zeit des Lebens besteht aus Graustufen. Doch es gibt immer mal wieder Momente, Erlebnisse und Menschen, die uns zeigen, dass es durchaus schwarzweiß zugehen kann.

Ein Augenblick der Vollkommenheit, jemand, der Dir als personifizierte Boshaftigkeit gegenübertritt, die bitterkalte Hand der Einsamkeit – wir sollten solche Begebenheiten genießen, denn sie lassen uns spüren, dass wir am Leben sind, dass es mehr gibt als Sisyphos und Hamsterrad, dass wir mehr sind als die kleinen Heuchler, die durch ihren kleinen, sinnlosen Alltag rennen.

Nur, solange wir leben können wir fühlen.

 

 

Älterwerden

Älterwerden bedeutet nicht viel mehr, als die rar gesäten Momente des Glücklichseins bewusster zu erleben.
Und das ist nun wirklich nix, wovor man Angst haben müsste.

 

Karmapolitur

Gestern gab mir der Zufall Gelegenheit, mein Karma einganzkleinwenig aufzupolieren:
Ich half einer alten Dame mit Rollator über die Straße.

Sie berichtete mir während des knapp zwanzigsekündigen Fußmarsches, dass es immer bloß junge Leute oder Ausländer seien, die ihre Hilfe anböten.

Diese kleine Aussage bestätigte mich in gleich zwei meiner Überzeugungen:

1. Alles – auch das Alter – ist relativ.

2. Rechte sind blöde Arschlöcher.

 

Wochenendeende

JUHUUU, nächstes Wochenende ist wieder Wochenende!!!

(Homer Simpson)

 

 

Sonniger Sonntag

Meinen üblichen Sonntagscocktail aus Depression und Langeweile vertrage ich bei dieser Hitze besonders schlecht.
Lähmende Glut, vor der ich mich nicht verstecken kann.
Angst davor, nicht schlafen zu können, Panik davor, dass der morgige – noch heißere – Tag erst recht unerträglich sein wird.
Noch dazu erkältet, denn schwitzen kann man ja nie genug.

Jegliches winzigkleine Muss, nervt mich, macht mich mürbe.
Ich will das alles nicht, aber was ich will, weiß ich auch nicht.
Die naive Fröhlichkeit da draußen verschlimmert mein Selbstmitleid um ein Vielfaches.
Letztendlich bleibt nur der Fluchtversuch Richtung Dunkelheit.

Ich weiß, es wird wieder besser, aber ich existiere im Jetzt und jetzt ist alles scheiße.

 

Alles gut

Solange Ihr gesund genug seid, um Genuss zu empfinden,

solange Ihr geliebte Menschen in Eurem Leben habt,

solange Ihr Euch selbst ernähren könnt und

solange Ihr jederzeit gehen könnt, wohin ihr wollt,

ist alles gut.

 

 

Freitags in der Kassenschlange

SOWAS VON COOL, diese Hipster. VIEL ZU COOL für die Einkaufswagennutzung wie wir Normalsterblichen und NATÜRLICH auch VIEL ZU COOL, um ihr Biogedöns zumindest halbwegs zügig in ihre Jutetaschen zurückzupacken.
Oder Taschenkramer, denen erst einfällt, dass sie bezahlen müssen, wenn die arme Kassiererin sie dazu auffordert und dann minutenlang nach ihrem Geldbeutel suchen.
Und Kleingeldsammler, längst nicht so häufig Rentner oder Hartzer wie man gemeinhin annimmt, die den Zahlbetrag zwanghaft auf den Cent genau abzählen.
Alles völlig harmlos, verglichen mit alternativ angehauchten Müttern, die ihre Blagen für das Epizentrum des Universums halten. Klein Justus, Malte und Pauline (AKA egoistische Arschlocherwachsene in spe) dürfen jedes einzelne ihrer 98 Einkaufsteile aufs Kassenband schmeißen, egal wie lange das auch immer dauern mag.
Manchmal schießen mir Wuttränen in die Augen, manchmal male ich mir auch einen spontanen Amoklauf aus, die meiste Zeit aber schäme ich mich einfach nur, zur selben Spezies wie meine Kassennachbarn zu gehören.

 

Bloggen ist doof.

Ich starre mit leerem Hirn das leere Dokument an.
Der Cursor blinkt vorwurfsvoll vor sich hin.
Ich versuche meine Gedanken zu ordnen. Es läuft nicht, mir fehlt die Energie.
Nicht mal übers Nicht-Schreiben-Können fällt mir mehr als diese paar unnötigen Zeilen ein.
Und jetzt mach ich ein Nickerchen.
Gute Nacht.

 

 

Momentaufnahme

Ein ungewöhnlich warmer Septemberabend. Die Straße voller Leben, die Tische vor den Kneipen zum fast letzten Mal besetzt. An jeder Ecke plaudern Leute, ab und zu ein unbeschwertes Lachen, Licht und Luft erfüllt von Wärme, niemand allein oder traurig. Keine peinlichen Profilierungsversuche, kein frustriertes Gelalle. Weit und breit nur fröhliche Menschen in gemeinsamer Sorglosigkeit.

Ein Moment, zu selten, zu vollkommen um hinterfragt zu werden.
Er ist jetzt und vielleicht sogar ein Wunder.

 

Nachts

Projekt *.txt: mucksmäuschenstill

In allnächtlicher Gewohnheit ist die Welt da draußen tiefschwarz und mucksmäuschenstill geworden. Allein der kleine Zierbrunnen drüben im Nachbarhinterhof plätschert gleichmütig vor sich hin. Der tiefe Schlaf überall um mich herum erscheint mir fast greifbar.
Nur ich bin wach, bestimmt als einzige auf der ganzengroßenweiten Welt.

Je stiller es draußen ist, desto lauter donnern die Stimmen in meinem Kopf. 1000 unvollendete Gedanken versuchen sich gegenseitig zu übertönen. Meine hausgemachte Sorgen-Kakophonie.
Mein Herz rast. Ich stehe kurz auf, laufe ziellos durch die Wohnung, lege mich wieder hin und starre hellwach in die Dunkelheit. Etwas später (ich schaue lieber nicht auf die Uhr!) und wenig einfallsreich, mache ich meinen Ausflug ein zweites Mal.

So schwinden die wertvollen Ruhestunden dahin. Ganz allmählich büßen aber die bösen Stimmen an Aufdringlichkeit ein und erste Traumbilder schleichen sich zaghaft an. Das macht mich euphorisch und wieder wacher.
Und weg sind sie.

Irgendwann holt mich Gnade des Schlafes dann doch noch ein.
Eine halbe Stunde später klingelt der Wecker.
Guten Morgen, Welt! Das wird bestimmt ein herrlicher Tag.