Wochenendeende

JUHUUU, nächstes Wochenende ist wieder Wochenende!!!

(Homer Simpson)

 

 

Sonniger Sonntag

Meinen üblichen Sonntagscocktail aus Depression und Langeweile vertrage ich bei dieser Hitze besonders schlecht.
Lähmende Glut, vor der ich mich nicht verstecken kann.
Angst davor, nicht schlafen zu können, Panik davor, dass der morgige – noch heißere – Tag erst recht unerträglich sein wird.
Noch dazu erkältet, denn schwitzen kann man ja nie genug.

Jegliches winzigkleine Muss, nervt mich, macht mich mürbe.
Ich will das alles nicht, aber was ich will, weiß ich auch nicht.
Die naive Fröhlichkeit da draußen verschlimmert mein Selbstmitleid um ein Vielfaches.
Letztendlich bleibt nur der Fluchtversuch Richtung Dunkelheit.

Ich weiß, es wird wieder besser, aber ich existiere im Jetzt und jetzt ist alles scheiße.

 

Alles gut

Solange Ihr gesund genug seid, um Genuss zu empfinden,

solange Ihr geliebte Menschen in Eurem Leben habt,

solange Ihr Euch selbst ernähren könnt und

solange Ihr jederzeit gehen könnt, wohin ihr wollt,

ist alles gut.

 

 

Freitags in der Kassenschlange

SOWAS VON COOL, diese Hipster. VIEL ZU COOL für die Einkaufswagennutzung wie wir Normalsterblichen und NATÜRLICH auch VIEL ZU COOL, um ihr Biogedöns zumindest halbwegs zügig in ihre Jutetaschen zurückzupacken.
Oder Taschenkramer, denen erst einfällt, dass sie bezahlen müssen, wenn die arme Kassiererin sie dazu auffordert und dann minutenlang nach ihrem Geldbeutel suchen.
Und Kleingeldsammler, längst nicht so häufig Rentner oder Hartzer wie man gemeinhin annimmt, die den Zahlbetrag zwanghaft auf den Cent genau abzählen.
Alles völlig harmlos, verglichen mit alternativ angehauchten Müttern, die ihre Blagen für das Epizentrum des Universums halten. Klein Justus, Malte und Pauline (AKA egoistische Arschlocherwachsene in spe) dürfen jedes einzelne ihrer 98 Einkaufsteile aufs Kassenband schmeißen, egal wie lange das auch immer dauern mag.
Manchmal schießen mir Wuttränen in die Augen, manchmal male ich mir auch einen spontanen Amoklauf aus, die meiste Zeit aber schäme ich mich einfach nur, zur selben Spezies wie meine Kassennachbarn zu gehören.

 

Bloggen ist doof.

Ich starre mit leerem Hirn das leere Dokument an.
Der Cursor blinkt vorwurfsvoll vor sich hin.
Ich versuche meine Gedanken zu ordnen. Es läuft nicht, mir fehlt die Energie.
Nicht mal übers Nicht-Schreiben-Können fällt mir mehr als diese paar unnötigen Zeilen ein.
Und jetzt mach ich ein Nickerchen.
Gute Nacht.

 

 

Momentaufnahme

Ein ungewöhnlich warmer Septemberabend. Die Straße voller Leben, die Tische vor den Kneipen zum fast letzten Mal besetzt. An jeder Ecke plaudern Leute, ab und zu ein unbeschwertes Lachen, Licht und Luft erfüllt von Wärme, niemand allein oder traurig. Keine peinlichen Profilierungsversuche, kein frustriertes Gelalle. Weit und breit nur fröhliche Menschen in gemeinsamer Sorglosigkeit.

Ein Moment, zu selten, zu vollkommen um hinterfragt zu werden.
Er ist jetzt und vielleicht sogar ein Wunder.

 

Nachts

Projekt *.txt: mucksmäuschenstill

In allnächtlicher Gewohnheit ist die Welt da draußen tiefschwarz und mucksmäuschenstill geworden. Allein der kleine Zierbrunnen drüben im Nachbarhinterhof plätschert gleichmütig vor sich hin. Der tiefe Schlaf überall um mich herum erscheint mir fast greifbar.
Nur ich bin wach, bestimmt als einzige auf der ganzengroßenweiten Welt.

Je stiller es draußen ist, desto lauter donnern die Stimmen in meinem Kopf. 1000 unvollendete Gedanken versuchen sich gegenseitig zu übertönen. Meine hausgemachte Sorgen-Kakophonie.
Mein Herz rast. Ich stehe kurz auf, laufe ziellos durch die Wohnung, lege mich wieder hin und starre hellwach in die Dunkelheit. Etwas später (ich schaue lieber nicht auf die Uhr!) und wenig einfallsreich, mache ich meinen Ausflug ein zweites Mal.

So schwinden die wertvollen Ruhestunden dahin. Ganz allmählich büßen aber die bösen Stimmen an Aufdringlichkeit ein und erste Traumbilder schleichen sich zaghaft an. Das macht mich euphorisch und wieder wacher.
Und weg sind sie.

Irgendwann holt mich Gnade des Schlafes dann doch noch ein.
Eine halbe Stunde später klingelt der Wecker.
Guten Morgen, Welt! Das wird bestimmt ein herrlicher Tag.

 

Homemade Karma

Ernst gemeinte Frage: Glaubt Ihr an Karma?
Ich empfinde die Idee eines allumfassenden Belohnungs- und Bestrafungssystems erstmal als ziemlich elegant.
Nur, um Missverständnissen vorzubeugen: Die Vorstellung, das immer wieder gerne bemühte hungernde Kind in Afrika würde für „Sünden“ aus seinem letzten Leben bestraft, ist selbstverständlich unübertrefflich grauenerregend und so falsch, wie etwas – ganz egal was – nur falsch sein kann.

Ich meine hier all die kleinen und größeren Lebenssünden, die jeder Mensch an jedem Ort der Welt begehen kann. Denn genau diese bestraft der liebe Gott ja bekanntermaßen sofort oder zumindest innerhalb einer Lebensspanne.
Wenn ich mich allerdings umschaue, stelle ich immer wieder fest, dass Menschen, die tatsächlich mal einen göttlich-großen Arschtritt verdient hätten, kaum ernsthafte Probleme haben, während diejenigen mit einem Gewissen sich ständig grämen, bis sie schließlich seelisch und oft auch körperlich schwer erkranken.

In Wirklichkeit (soweit es sie denn gibt), bestraft man sich nämlich immer nur selbst. Man schafft sich sein ureigenes Karma, indem man unabsichtlich immer genau das ausstrahlt, was man gerade von sich hält. Je mehr Selbsthass – ganz egal ob gerechtfertigt oder nicht – desto mieser das „Schicksal“. Wer das für Eso-Quatsch hält, hat noch nie reflektiert.

Abgesehen davon: Nur ein solch hochgradig ignorantes und narzisstisches Wesen wie der Mensch kann auf die Idee kommen, die vorhandenen oder nicht vorhandenen Moralvorstellungen eines Universums nachvollziehen zu können. Das ist doch wieder mal typisch.

Strafe, Belohnung und Erlösung gibt es immer nur hausgemacht, der Rest ist unerreichbar.
Ändert sich allein durch diese Erkenntnis irgendwas? Nein. Natürlich müssen wir begreifen, aber vor allem auch fühlen.
Und das ist leider nicht so leicht, wie es zunächst klingen mag.

 

Murmeltiertage

Derzeit bedeutet Alltag für mich nicht, von einem Termin zum nächsten zu hetzen. Vielmehr besteht er aus suchen, reagieren und viiieeel warten, denn – völlig egal, was Coaches und Arbeitsvermittler auch behaupten mögen – die Arbeitssuche ist nun mal kein Full-Time-Job. Dafür stellt sich in Bewerbungsphasen ein andersartiger, aber nicht minder unangenehmer Stress ein, der potentiell zur Zahl der auf der Couch verbrachten Nachmittage wächst.

Anfangs genießt man zwar die viele Freizeit noch irgendwie, doch die Grübelei über die nagende Frage nach mittel- und langfristiger Perspektive lässt sich nicht dauerhaft verdrängen, außer man will um Vollzeitalki mutieren. Obendrein zehren die anstrengende Aufregung schon Tage vor dem nächsten Vorstellungsgespräch, die schwer verdaulichen Absagen, die darauf folgenden diffusen Selbstvorwürfe, die immer weiter schwindende Hoffnung auf eine einigermaßen stabile Zukunft und die verstohlen-mitleidigen Blicke aus Dunstkreis und Umfeld brutal an den Nerven.

Sicher, man könnte die Zeit produktiv nutzen, nämlich beispielsweise viele und qualitativ hochwertige Blogbeiträge verfassen oder endlich das vor drei Wochen erworbene Regal aufbauen. Aber nein, je weniger man zu tun hat, desto weiter abwärts sinkt die Motivation.

Gestern habe ich meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht: Den Download von Pokémon Go.
Ihr merkt, es wird höchste Zeit. Also bitte drückt mir alle Daumen!

 

 

Im Paradies

Projekt *.txt: verklären

Ich grabe mir meinen Weg immer tiefer in die Illusion hinein.

Hier gibt es nur schwarz und weiß, jeder weiß, wer wessen Feind ist. Überall herrlich einfache Antworten.
Fast nie begegne ich der Traurigkeit und wenn doch, umgibt sie eine Hülle von Mitgefühl und Trost.
Jeder ist schön oder zumindest originell, niemand langweilt sich.
Ständig taucht irgendwas Lustiges oder irgendwas Niedliches auf.
Die Liebe scheint allgegenwärtig, wohlig warme Koseworte und Freunde soweit das Auge reicht.
Maximale Anerkennung bei voller Kontrolle.
Keinem gefällt irgendwas nicht, jedem gefällt vieles. Und wer am meisten gefällt, hat gewonnen.

Hier kann ich sein, wer ich will, dies ist meine Realität.