Niven und Higgs


Normalerweise rezensiere ich nicht. Zum einen gibt es mehr als genug Kritiken im Netz, zum anderen finde ich es anmaßend, Leute in etwas zu beurteilen, das ich selbst nie auf die Reihe gekriegt habe, wie beispielsweise das Schreiben eines Buches.
Und abgesehen davon hasse ich das mit Rezensionen oft einhergehende prätentiöse Gelaber.
Die letzten beiden Bücher, die ich gelesen habe, haben mich aber dermaßen beeindruckt, dass ich sie unbedingt als Doppelpack-Empfehlung an Euch weitergeben möchte.

Nr.1: „Gott bewahre“ von John Niven
Ich habe Nivens bekanntestes Werk „Kill your Friends“ bis jetzt nur angelesen, weiß aber aus zuverlässigen Quellen, dass es mächtig zynisch und absurd daherkommt. Beides trifft auf Gott bewahre nicht zu, ganz im Gegenteil.
Der Anfang mag etwas klamaukig wirken, Gott und Jesus lieben das gute Gras im Himmel, Jesus klampft bekifft mit Jimi Hendrix rum und im Himmelszentralbüro arbeiten jeden Menge Homosexuelle, denn „Gott liebt Schwuchteln“.
Die Message des Buches habe ich allerdings als ernst, erschütternd und vor allem als so wahr, wie etwas nur wahr sein kann, empfunden.
Da gibt es die mittlerweile völlig an sich selbst erkrankte Gesellschaft, unermessliche Profitgier, ein ad absurdum geführtes Christentum, das nichts als Hass predigt und JC, der von seinem Vater erneut runtergeschickt wird, um alledem Einhalt zu gebieten. Ohne zu viel verraten zu wollen, die Geschichte ist bereits bekannt und nimmt somit auch ein verhältnismäßig gutes Ende. Das allein ist Beweis genug, dass dieses Wahnsinnswerk keinesfalls als zynisch zu verstehen ist.
Warum auf dem Klappentext ausgerechnet der Playboy zitiert wird, ist mir wirklich ein Rätsel. Nennt mich borniert, aber ich finde, Niven hätte eine andere Quelle verdient. Obwohl ich keine Ahnung davon habe, inwieweit Hugh´s Leute zur Literaturkritik taugen, weiß ich leider, welchen Eindruck ein Playboy-Zitat auf die Öffentlichkeit macht: bloß nicht zu ernst nehmen.

Nr.2: Alles ist relativ und anything goes“ von John Higgs
Glaubt mir das Eine: wenn ich ein Buch über Geschichte empfehle, dann muss es brillant sein. Grundsätzlich hege ich eine enorme Abneigung gegen die Realität als solche. Es sei denn, sie wird auf zutiefst nachvollziehbare Weise dargestellt, wie in diesem Fall. Ich habe selten einen Roman gelesen, der mich so sehr gefesselt hat.
Higgs, ein ebenso schlauer wie gebildeter Mensch, greift sich bestimmte Ereignisse wie Einsteins Entdeckung der Relativitätstheorie, den Nihilismus, den Rock´n Roll und den Neoliberalismus heraus und setzt sie zueinander in Beziehung. Und das klappt prima.
Die Quintessenz lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Im 20. Jahrhundert wurde uns klar, dass es nichts gibt, dessen wir uns sicher sein können. Das Buch ist Populärwissenschaft im im allerbesten Sinne. Es öffnet Euch die Augen und schießt die sensibleren/haltloseren unter Euch vielleicht sogar auf eine ganz neue, wahrscheinlich sogar leichter zu ertragende Bewusstseinsebene. Und by the way ist es als Last-Minute-Weihnachtsgeschenk für praktisch jeden geeignet, der lesen kann; bisher aber nur für 25 Euro als gebundene Ausgabe erhältlich.

Die beiden Bücher und Johns verbindet, dass sie mir mein brachliegendes tieferes Verständnis für die Welt offenbart haben. Und das ist keinesfalls übertrieben.
Das eine auf eine pseudospirituelle Weise: Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als die (ursprünglich biblische) „Metahperei“ von Niven zu vergessen und an den in diesem Buch postulierten Gott und Himmel glauben zu können.
Das anderen auf eine intellektuelle Weise: Die Gesellschaft wie sie heute existiert, liegt mir plötzlich klar vor Augen. Ich sehe sie vor mir und erkenne, dass die Menschen nicht von Grund auf böse sind, sondern lediglich Entwicklungsstufen unterliegen.
Das bedeutet allerdings keinesfalls eine garantiert bessere Zukunft für diese unsere Welt.

 

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