Ende

Durch puren Zufall präsentiert sich mir das Wort „Distanz“ im Rahmen des Projektes *.txt. quasi auf dem Silbertablett. Dennoch, sich dermaßen verletzlich zu zeigen, wie ich es im Folgenden tun werde, mag ein kleinwenig wie virtueller Selbstmord wirken. Ich fahre trotzdem fort, weil ich die Gelegenheit ergreifen will, mir meinen Kummer von der Seele zu schreiben und auch weil ich immer noch glaube, dass die Welt den Mutigen gehört.

Ich erlebe zur Zeit den gewöhnlichen, aber dennoch grauenhaften Schmerz der verlorenen Liebe. Und ich habe schlechte Neuigkeiten für alle, die dem Text des Schlagers „Das ersten Mal tat´s noch weh“ bisher Glauben schenkten: Dies ist längst nicht meine erste Trennung, dennoch ist die emotionale Belastung schlicht unerträglich; eigentlich sogar weit schwerer zu verkraften, denn ab einer gewissen Anzahl von gecrashten Beziehungen und gelebten Jahren verliert man jede Hoffnung auf zufriedene Zweisamkeit. Ab jetzt bedeutet „Liebe“ für mich nichts weiter als ein hormonelles Trugbild, das allein dazu dient, die menschliche Fortpflanzung zu gewährleisten. Doch selbst diesem einzigen Zweck konnte ich nicht dienen.
Der Mensch, auf den ich mich immer verlassen konnte, der Mensch, den ich als meine Familie betrachtet habe, der Mensch, auf den ich einfach alles gesetzt habe, genau dieser Mensch ist nun fort. Nicht etwa, weil er ein doofes Arschloch ist oder weil ich eines bin (das wäre so schön, so einfach!), sondern weil wir den großen Krieg um unsere Beziehung verloren haben.
Momentan habe ich das Gefühl, dass ich diese Trennung für den Rest meines Lebens bereuen werde. Er gehört zu den anständigsten Menschen, die ich jemals gekannt habe. Wenn es mit jemandem wie ihm nicht klappen kann, dann wird es nie mehr klappen. Das ist kein Pessimismus. Das stimmt einfach.
Er war immer für mich da, hat mich unterstützt, wo er nur konnte, ich habe es ihm aber letztendlich doch zu schwer gemacht. Ich habe mich einfach zu wenig angestrengt. Nicht etwa aus bösem Willen oder aus purer Faulheit, nur einfach, weil ich nicht genug Kraft hatte. Ich habe mich zuerst distanziert. Ich habe mich verpisst.
So bin ich wieder in die Einsamkeit zurückgeschliddert. Das erinnert mich irgendwie an den Film „Zeit des Erwachens“. Warum wird man aus der Katatonie befreit, nur um später erneut darin zu versinken? Ein grausames Spiel.

Zusammen mit meiner Beziehung habe ich auch meine letzte Chance auf ein eigens Kind vergeigt. Ich war mir in dieser Lebensfrage zwar nie ganz sicher, dennoch fühle ich mich, als hätte ich außer meinem Partner noch jemanden verloren. Ich trauere um Menschen, den es niemals geben wird. Um ein ganzes Leben, das niemals gelebt werden wird.
Und ja, ich weiß, es gibt viel größere Tragödien, viele Menschen haben unendlich viel mehr Grund, sich zu beklagen. Dafür, dass ich mich bei all dem Mist da draußen selbst so schrecklich selbst bemitleide, schäme ich mich zutiefst und kann es dennoch gerade nicht nicht ändern.
Ich bin hilflos und ich habe keine Hoffnung mehr. Und so sehr ich mich auch darum bemühe, ich werde das Ausmaß meiner Trauer nicht vollständig mit Worten fassen können. Diese wunderbare Gabe besitzen nur Genies. Deshalb überlasse ich meine letzte Zeile dem guten alten Goethe:
„Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide.“

Ende

 

This entry was posted in *.txt and tagged .

One thought on “Ende

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: