Einer muss es ja machen

Projekt *.txt: Narrenfreiheit

Die Wikiquelle sagt zum Thema „Narrenfreiheit“: „Sie [die Narren] waren also eine soziale Institutionen zulässiger Kritik. Ihre gesonderte Stellung bzw. die fehlende Bindung an gesellschaftliche Normen ermöglichte dem Narren einen besonders großen Handlungsfreiraum – da alles, was er sagte aufgrund seiner Narrheit nicht ernst genommen wurde. Darauf begründet sich der heute noch viel verwendete Begriff der Narrenfreiheit“.

Theoretisch darf zumindest in unseren Breiten heutzutage jedermann Kritik an der Obrigkeit üben, praktisch hat sich aber in dieser Hinsicht seit dem Mittelalter nur verändert, dass der moderne Narr eher zum geneigten Volk als zu den Herrschern spricht. Narrenfreiheit besitzen aber nach wie vor jene, die gerne provozieren und (zu?) wenig Angst vor den unliebsamen persönlichen Konsequenzen ihrer Narreteien haben: Satiriker (deren Tradition sich vielleicht sogar in der Narrheit begründet hat), Querköpfe, Freaks, Freigeister, eben all jene, die schon von Natur aus ebenso unbequeme wie unterhaltsame Gedanken mit sich spazieren tragen. Denn der Job des Narren war schon immer auch Berufung.

Ob die mittelalterlichen Obrigkeiten tatsächlich und ernsthaft über die Kritik ihrer Narren nachdachten und vielleicht sogar manchmal ihr Verhalten änderten, weiß ich nicht. Auch heutzutage bringt die Narrenfreiheit keine Weltveränderung mit sich, aber sie muss schon des Prinzips, der Tradition und nicht zuletzt der geistigen Gesundheit des vernunftbegabten Teilchens der Gesellschaft wegen weiterhin genutzt werden.
Posthumen Dank an all jene, die im Laufe der Jahrhunderte die Narrenflagge hochgehalten und den Weg für Leute wie Hunter Thompson (leider auch schon tot), David Lynch, Hagen Rether und viele, viele, vieellle andere mehr oder weniger berühmte Narren freigeschaufelt haben.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: