Einander verstehen

Das frisch geschlüpfte Baby schreit und schreit. Die verzweifelte Mutter rätselt, ob vor Hunger, Schmerz oder Langeweile. Die beiden verstehen einander noch nicht. So fängt das Leben an.
Das Baby lernt irgendwann Worte und Gesten zu benutzen, damit es seinen Grundbedürfnissen Ausdruck verleihen kann. Das klappt auch erstmal ganz gut. Aber wenn die Wünsche, Beweggründe und Gefühle mit den Jahren erst individueller und komplexer geworden sind, wird der Mensch, der mal das Baby war, sich irgendwann in der gleichen Situation wiederfinden, wie damals auf dem Arm seiner Mutter. Er wird vergebens versuchen sich verständlich zu machen, und zwar sehr oft.

Unverständnis, besonders solches das unbemerkt bleibt, bedeutet Isolation. Schreien in einer schalldichten, unsichtbaren Zelle umringt von Menschen. Schlimmstenfalls von denen, die uns nahestehen. Leere Augen, kaltes Herz.

Einander verstehen setzt zumindest eines voraus: Einander verstehen wollen. Dies wiederum hieße offen zu sein, zuzuhören, nachzufragen, sich Zeit zu nehmen und Respekt zu haben, vor den Bedürfnissen, Meinungen und Gefühlen des anderen.
Kriegt das denn irgendjemand hin?
Lest Euch Facebook-Diskussionen durch, schaut Euch TV-Talkrunden an oder erinnert Euch mit Bedauern an persönlich geführte Gespräche. Es geht meist bloß darum, seine eigene, bereits feststehende Meinung stur zu vertreten und Recht zu behalten. Mit Kommunikation im Sinne von der Suche nach wechselseitigem Verständnis zwecks Problemlösung hat das nichts zu tun.

Ich glaube….
Wenn Menschen sich bemühten, einander von vorneherein besser zu verstehen, gäbe es die meisten Konflikte erst gar nicht. Verstehen können und Verständnis zeigen bedeuten die Grundlage für nichts Geringeres als Frieden; zwischen Nachbarn oder Liebenden ebenso wie zwischen Nationen.

 

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