Die liegende Acht

Unendlichkeit. Ein Begriff, der unseren Verstand überfordert und eben deshalb fasziniert. Eines der Geheimnisse, denen der Mensch schon seit tausenden von Jahren hinterherjagt. Wie eine Katze, die ihren eigenen Schwanz fangen will.
Wir feiern unsere Genies gewiss zu Recht, aber dennoch sind sie eben bloß Menschen. Unsere vielleicht größte Tragödie besteht aus einem viel zu großen Wissensdurst eines viel zu beschränkten Geistes, der immer nur mit dem Bruchteil eines ungenießbar-salzigen Tropfens aus dem Ozean gestillt wird. Vielleicht war es das, was Albert Einstein mit grenzenloser menschlicher Dummheit meinte.

Physiker mögen die Urknall-Theorie in 100 Jahren als so lächerlich enttarnt haben, wie wir heutzutage die Idee, die Erde sei eine Scheibe. Dennoch werden sie auch dann noch unendlich weit von den Geheimnissen des Lebens entfernt sein. Denn der Unendlichkeit kann man sich als Mensch nicht nähern.

Unser Geist ist beschränkt, denn er grenzt sich bei dem Versuch, die Welt zu begreifen, von ihr ab. Wir brauchen klare Strukturen, die Natur aber nicht, sie funktioniert weit jenseits jeden Verstehens.
Vielleicht sind Tiere und Pflanzen die höher entwickelten Lebewesen auf diesem Planeten. Sie schaffen es, um ihrer Existenz willen zu existieren. Wir Menschen passen dagegen nirgendwo so richtig rein. Wir begreifen uns selbst gerade wenig genug, um nicht durchzudrehen und um zu wissen, dass wir nichts wissen. Wir sind schon ein echter Brüller.

In den höheren Wissenschaften gibt es haufenweise unauflösbare Widersprüche, die sich unserem Verstand verschließen. Wer weiß, vielleicht sind es genau diese Paradoxa, die die Welt im innersten zusammenhalten, die das geheimnisvolle Gleichgewicht des Lebens erzeugen.
Menschliche Ekenntnis entstünde vermutlich dann, wenn wir uns nicht länger weigerten, uns als die winzigen Teilchen zu betrachten, die wir nun mal sind. Wenn wir uns endlich mal ein bisschen weniger wichtig nähmen. Und wenn wir uns endlich mal verzeihen könnten, dass wir bloß Menschen sind.

 

One thought on “Die liegende Acht

  1. Der Mensch hat ein zu großes Ego, um sich eingestehen zu können, das der Mensch weniger die Krönung der Schöpfung ist, sondern viel mehr ein unerwartet misslungenes Experiment der Schöpfung, von was diese auch immer in die Wege geleitet wurde.

    Man sollte meinen, wir wären lernfähig, wenn man aber zurück schaut, sieht mal ein durchgehend zerstörerischen Zeitlauf, welcher die Erde und damit den Lebensraum der hier lebenden Flora und Fauna bis hin zur Ausrottung böse zugesetzt hat. Scheinbar kommt auch hier die Unendlichkeit zum tragen, denn dieser Kreislauf folgt dieser liegenden Acht permanent, ohne gestoppt werden zu können.

    Was wäre die Erde wohl ohne Menschen? Wahrscheinlich ein besserer Ort, in dem sich die Natur frei entfalten könnte, ohne sich in einer Unendlichkeitsschleife zu befinden, um von Menschen zerstört und ausgebeutet zu werden, welche sich gottgleich aufführen und für die Krönung der Schöpfung halten.

    Zum Glück gibt es neben der Unendlichkeit auch die Endlichkeit, letztere schafft es wenigstens, der Menschheit die menschlichen Grenzen aufzuzeigen, in jeglicher Hinsicht…

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