Die Kunst des Auf(er)stehens

Schwermut, Traurigkeit, Melancholie, darüber könnte ich viel erzählen. Ich beneide jeden, der ein unbeschwerteres Gemüt als meins mit sich herumträgt. Das Leben könnte so viel leichter sein!
Jetzt aber Schluss mit dem Gejammer. Ich möchte erzählen, wie man aus dem Zustand der Niedergeschlagenheit Kraft schöpfen kann.

Als schwermütiger Mensch fühlt man sich oft kraftlos. Schon das Zubereiten einer Mahlzeit oder Zähne putzen erscheinen einem wie eine Marathon-Aufgabe. Man wirft sich die eigene Passivität vor und grämt sich dadurch noch mehr. Je länger diese Phase dauert, desto größer wird der Druck, von innen wie auch von außen, denn viele andere können das enorme Ausmaß an Lähmung längst nicht nachvollziehen.
Es ist, als würde man in einem stockfinsteren Brunnen sitzen und müsste an den glatten, glitschigen Wänden rausklettern.

Doch irgendwann kommt ein Punkt, der die Chance auf Veränderung mit sich bringt. Irgendein winziger positiver Impuls, der einem endlich mal wieder eine kleine hausgemachte Serotonindosis schenkt. Ebendieses Lichtlein, das von irgendwo daherkommt, gilt es nun zu nutzen.
In dem einen Moment größter Überwindung muss man aufstehen wie Phoenix aus der Asche, sich den Staub von den Schultern klopfen und weitermachen.

Meiner Erfahrung nach gilt Folgendes: Die eigene Leidensfähigkeit ist nichts anderes, als Stärke, die man gegen sich selbst verwendet. Die Kunst besteht nur darin, dieses enorme Potential zu nutzen, statt sich davon erdrücken zu lassen. Vielen äußerst kreative oder auf andere Weise begabte Menschen schöpfen ihren Antrieb aus starkem Leidensdruck. Allerdings gestehe ich auch die Vermutung, dass die meisten davon ihre Erfolge sofort gegen pure „Normalität“ eintauschten.

Alle Schwermütigen, egal ob mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet oder nicht, können auf eines stolz sein: Sie haben sich alle schon das ein oder andere mal am eigenen Schlafittchen aus dem Schlamm gezogen, was in der physikalischen Welt ein Ding der Unmöglichkeit ist.

 

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