Die Höflichkeit der Könige

Ich hasse Unpünktlichkeit. Und ich hasse es, Unpünktlichkeit zu hassen, weil Warterei mich rasend macht. Es ist nicht etwa so, dass ich einfach bloß fahrig davon werde. Ab einem gewissen Punkt erreicht meine Nervosität ein Stadium der zerrend-pochenden Schmerzen, die ab dann Sekunde für Sekunde schlimmer werden. In dieser Situation würde ich mir gerne langsam und genüsslich Schicht für Schicht die Haut vom Gesicht kratzen oder mich sonst irgendwie vollständig dem Wahnsinn hingeben, Hauptsache ich werde irgendwie aus dem Zustand des Wartens erlöst.
Wüssten die Leute, was sie mir mit ihrer Unpünktlichkeit zumuten, würden sie mir diese Folter bestimmt ersparen.

Natürlich reagiere ich emotional viel zu extrem auf die Warterei. Dennoch stehe ich rational voll und ganz hinter meiner Ungeduldsmacke.
Jemanden ohne wichtigen Grund warten zu lassen, bedeutet, ihn fahrlässig seiner Lebenszeit zu berauben. Pünktlichkeit hingegen demonstriert genau das Mindestmaß an Respekt, welches im zwischenmenschlichen Miteinander eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Wohlgemerkt, ich rede hier nicht von ein paar Minuten oder dem akademischen Viertelstündchen. Ich rede von den chronischen Trödlern, die mindestens eine Stunde zu spät kommen ohne auch nur daran zu denken, diesbezüglich mal kurz eine SMS zu schreiben oder anzurufen und dann entgeistert oder sogar sauer sind, wenn man es wagt, sie höflich darauf anzusprechen.

Nein, ich mache mich nicht „mal locker“ und nein, mein Pünktlichkeitsfimmel macht mich nicht zur Spießerin. Jeder kann sein Leben für sich selbst gestalten, wie er möchte. Wer es aber nicht schafft, sich an einfache mitmenschliche Abmachungen zu halten, der zeigt damit kein charmantes Freidenkertum, sondern bloß bocklangweiligen und in wahrsten Sinne des Wortes asozialen Egoismus.

 

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