Der Krieg unter Frauen

Frauenfeindschaft – ein Wort in aller Munde, bei dem mich oft das Gefühl beschleicht, es sollte mittlerweile mit einer neuen oder zumindest einer zweiten Bedeutung belegt werden. Wohl wahr, längst nicht alle Männer nehmen Frauen für voll oder gestehen ihnen Gleichberechtigung zu. Dennoch glaube ich, dass es meist die Frauen untereinander sind, die sich das Leben unnötig schwer machen.

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren von Sex and the City dürfte sicherlich das dort präsentierte Wunschbild von Frauenfreundschaft gewesen sein. Die vier Ladies waren nicht nur immer füreinander da, es gab auch keinerlei Neid, Misstrauen oder daraus resultierende Zickereien unter ihnen. Oft sieht die Realität allerdings ganz anders aus. Ob im privaten Umfeld oder im Job, Frauen gehen sich gegenseitig an die Gurgel und zwar auf die fiese Tour. Sie stellen sich untereinander bloß, hetzen, intrigieren, sabotieren und ergehen sich in Schadenfreude. Sei es, weil die jeweils andere die festeren Brüste, den reicheren Mann oder den interessanteren Job hat, so gut wie keine „zwischenfrauliche“ Beziehung kommt ohne wechselseitigen Leidensdruck aus und manchmal basieren vermeintliche Freundschaften sogar fast ausschließlich auf Konkurrenzkampf, um nicht zu sagen auf Hass. Der „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“-Schwanzvergleich unter Männern ist vergleichsweise harmlos, denn Männer agieren plump, sie knurren sich an, schlagen sich im allerschlimmsten Fall noch gegenseitig auf die Fresse und trinken anschließend ein Bier zusammen.

Der Ursprung des menschlichen Konkurrenzverhaltens liegt tief in der Evolution begraben. Unser Instinkt sagt uns, dass wir positiv hervorstechen müssen, um unsere Nachkommenschaft zu sichern. Deshalb präsentieren Männer ihren Wohlstand (ich kann Kinder versorgen) und Frauen ihre sexuellen Vorzüge (ich kann Kinder gebären). Möglicherweise basiert unsere „moderne Leistungsgesellschaft“ sogar komplett auf diesem uralten Wettbewerb. Während jedoch Männer ihr eigenes Konkurrenzdenken nutzen, um Ehrgeiz zu entwickeln, konzentrieren sich Frauen meist überwiegend auf den Zickenkrieg. Muss dieser Kampf wirklich sein? Kann es nicht sogar sein, dass es die mangelnde Solidarität mit dem eigenen Geschlecht ist, die Frauen bis heute beim vieldiskutierten Gleichstellungsprozess mit Männern bremst?

Fest steht, Frauen sind keine bösen Monster, vielmehr handeln sie wie schwerverletzte Raubtiere, die sich umso aggressiver verteidigen. Sie leiden oft sehr viel mehr unter dem innergeschlechtlichen Krieg als ihnen klar ist und wünschen sich im Grunde liebevolle Beziehungen untereinander, nur leider dominiert die Angst vor weiterem Verrat. Glaubt mir, ich bin selbst eine Frau und muss es wissen.

 

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