Das Zimmer

Letztes Jahr war ich eine Woche in New York City. Da es ziemlich ins Geld geht, dort seinen Urlaub zu verbringen, bewohnte ich ein „Zimmer“ in Chinatown, das die Größe und Form eines Einzelbettes besaß.
Auf dem Bett selbst eine Wolldecke und eines von den Kissen, die man im Flugzeug umsonst bekommt. Die Wände dreckig und dermaßen hellhörig, dass ich nicht nur jeden Atemzug von dem Mann über mir hörte sondern auch jedes Wort verstand, wenn er telefonierte – und zwar von demjenigen am anderen Ende der Leitung. Fenster schlicht nicht vorhanden. Stattdessen ein Ventilator, der entweder auf maximaler Stärke lief oder gar nicht.
Ich kann Euch sagen, es war ein verdammtes Kunststück, sich in diesem Zimmer umzuziehen, genug Sauerstoff abzubekommen und einigermaßen die Nerven zu behalten.

Momentan fühle ich mich, als existierte genau dieses Zimmer in mir drin und ich ausschließlich in ihm. Damals konnte ich jederzeit rausgehen, aber im Hier und Jetzt, da bin ich eingesperrt und der Schlüssel ist weg. Ich versuche wirklich, ihn zu finden, aber weil es überall so eng ist, weiß ich nicht wie ich das anstellen soll, denn ich kann mich kaum bewegen und nichts verrücken. Da sind nur dieses Zimmer und mein schwaches, um jeden Atemzug ringendes ich.

 

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