Aufm Zahnfleisch

Der Montag-Wecker trifft mich wie ein Schlag. Sofort befällt mich eine diffuse Wochenanfangs-Versagensangst. Mein mittelschwerer Sonntagskater hat sich über Nacht auch noch nicht vollständig verzogen. Ich bin mit der Gesamtsitutation äußerst unzufrieden.

Ganz ruhig, nur noch viermal schlafen bis Freitag. Bleib cool, trink Kaffee und geh dann erstmal laufen, das ordnet die Gedanken.

Die Rennerei hilft tatsächlich. Ich fühle mich stark, wenn ich morgens im Dunkeln durch die Gegend jogge. Und dank der aufputschenden Sport-Hormone kann der Tag jetzt meinetwegen kommen.
Die Vorbereitungsphase: eine langwierige, ernüchternde Prozedur vor dem Spiegel, Zigaretten vorstopfen und dabei jede Menge Kaffee trinken, von dem ich ständig pinkeln muss.

Was könnten wir heute essen? Ich sollte vor der Arbeit noch schnell zu DM, dann hab ich das schonmal hinter mir. Das Katzenklo nicht vergessen. Brauche ich noch Bargeld? Mal bei wetter.de nachschauen, ob ich den Schirm mitnehmen sollte. Meine Haare halten überhaupt nicht mehr. Ich muss diese Woche unbedingt noch zum Friseur. Aber erst Donnerstag oder so, vorher ertrag ich keinen Extra-Aufwand. Ich muss noch ne Flasche Coke-Zero fürs Büro einpacken. Oh mann, die Bude sieht schon wieder aus, als hätten wir am Wochenende Party gemacht.

Schnell noch gesaugt, danach bin ich endlich startbereit. Ich drücke dem Mann einen Abschiedskuss auf die Lippen und mache mich auf den Weg. Zwei Kilometer auf hohen Hacken.

Sollte ich doch mal den Bus nehmen? Nein. Zu geizig, kein Bock, dumm an der Haltestelle rumzustehen und viel zu viel körperliche Nähe zu Wildfremden, da werd ich bloß aggressiv. Außerdem: je mehr frische Luft, desto besser. Wenns nur mal ein bisschen wärmer wäre. Scheiße, mein rechtes Auge tränt schon wieder. Blöder Wind. Die Frau da hinten sieht aus, als hätte sie noch nie Kohlenhydrate gegessen.

Dann etliche Stunden arbeiten. Permanent in Alarmbereitschaft, immer auf Abruf.

Ich will nach Hause. Ich will nach Hause, ich will nach Hause, Ich will nach Hause. Ich will nach Hause, ich will nach Hause, Ich will nach Hause. Ich will nach Hause, ich will nach Hause, Ich will nach Hause. Ich will nach Hause, ich will nach Hause. Und so weiter.

Endlich Feierabend. Zwei Kilometer auf hohen Hacken zurück. Ständig warte ich genervt vor Fußgängerampeln. Natürlich regnet es, das erste Mal an diesem Tag. Aber wenigstens haben mich einige nasse Erlebnisse gelehrt, den Schirm nicht im Büro zu vergessen.

Uff, mir tun die Füße weh. Bin ich froh, wenn ich aus den Schuhen rauskomme. Und aus dem engen BH erst. Ich hasse BHs!! Gönne ich mir gleich ein Wein-Trösterchen? Nein, zu früh, heute ist erst Montag.

Tür auf und sofort maximal bequeme Sachen anziehen. Den Mann begrüßen, den Kater knuddeln, einen Tee – keinen Wein – trinken, Facebook checken, den Kater knuddeln, ein Kapitel lesen, kochen, essen, noch zwei Kapitel lesen, eine etwas weniger lange Bad-Prozedur, den Kater knuddeln, eine Serie in den Player schieben, den Sleeptimer anschalten und so tief wie möglich ins Bett kuscheln.

Nur noch viermal schlafen bis Freitag.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: