Arbeit und/oder Leben

Momentan setze ich mich wieder mal aus mehreren, ausgesprochen konträren Gründen intensiv mit dem fetten Themenbatzen „Beruf“ auseinander. Dabei fällt mir einmal mehr auf, dass ein stetig wachsender Teil der arbeitenden Bevölkerung seine gesamte Lebensenergie im Job verbraucht. Klingt vielleicht überspitzt, ist aber durchaus ernst gemeint.

Arbeiten mit der Chance auf Erfolg bedeutet nicht selten, sich selbst mit Haut und Haaren zu opfern. Freundschaften, Partnerschaften, Familien, Leidenschaften, Erkrankungen, Selbstwertgefühl, Müßiggang, Schlaf und selbst die eigene Persönlichkeit, all das muss hintangestellt werden.
Ihr könntet jetzt natürlich völlig zurecht anmerken, dass die Menschen in früheren Zeiten noch viel mehr geplotzt haben. Aber sollten es uns die Maschinen denn nicht ursprünglich mal leichter machen? Stattdessen lassen wir uns von ebendiesen tyrannisieren und erhöhen das Arbeitstempo immer weiter.
Irgendwann ist da irgendwas gewaltig schiefgelaufen. Wo soll das alles hinführen? Existieren wir bald bloß noch, um zu funktionieren?
By the way: Menschen, die komplett in ihrer Arbeit aufgehen, sei dies von Herzen gegönnt. Ich glaube aber, dass das Gros der Erwerbstätigen keiner Berufung sondern einfach bloß einem Beruf nachgeht.

Lasst Euch mal das Modewort Work-Life-Balance auf der Zunge zergehen. (Hierbei geht es auch um das Verhältnis bzw. Missverhältnis zwischen Berufs- und Privatleben). Wer auch immer diesen Begriff erfunden hat, war ein Tacheles-Fan. Statt nämlich von Work-Leisure-Balance (Leisure = Freizeit) zu reden, wird hier nichts mehr beschönigt. Wir arbeiten ODER wir leben, immer nur eines von beidem.
Wir haben also die Wahl zwischen Anpassung und Rechtfertigung, zwischen einem einigermaßen beruhigten und einem stets sorgenvollen Dasein, zwischen endlos viel Erduldung und der Gewissheit, von der Hand in den Mund leben zu müssen. Wir haben die Freiheit, uns zwischen Regen und Traufe entscheiden zu dürfen.

Auf den ersten Blick hielt ich die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens für grenzenlos blöde und naiv, aber ich irre mich eben gerne mal und dann auch gleich gewaltig.
Auf diese Weise hätte nämlich jeder die Chance auf Selbstbestimmung und somit auch auf ein großes Maß an Freiheit.

Abschließend möchte ich aber noch überaus tröstende und versöhnliche Worte des wunderbaren Rainer Maria Rilke zitieren: „Was heißt hier siegen? Überleben ist alles.“ 😉

 

2 thoughts on “Arbeit und/oder Leben

  1. Du drückst wieder einmal aus, was in der Gesellschaft offensichtlich ist und dennoch hingenommen wird oder zwangsläufig hingenommen werden muss: Leben um zu arbeiten oder nur noch leben für die Arbeit. Ich kenne dieses Szenario und dessen Folgen habe ich selbst am eigenen Leib zu spüren bekommen.

    In Zeiten, in denen man mehr als Vollzeit arbeitet und statistisch gesehen, vom Gehalt her dennoch unter der Armutsgrenze liegt, sind schon ein trauriger Aspekt bzw. ein Armutszeugnis dieser Wohlstandsgesellschaft.

    Aber der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: