Alleinsam

Eigentlich bin ich jemand, der das Alleinsein braucht und genießt. Es gab für mich immer eine Form der Entspannung, die ich in Gesellschaft, sei sie auch noch so vertraut, nicht erreichen kann. Doch jetzt – nachdem ich seit Jahren wieder alleine wohne – fühle ich bloß Einsamkeit statt wohliger Autonomie.

Quasi rund um die Uhr bin ich online zwecks vermeintlicher Verbundenheit mit der Außenwelt. Ich kann mich kaum konzentrieren. Statt einfach im Augenblick zu verweilen, überlege ich mir ständig, was ich als nächstes tun könnte, um mich abzulenken. Tagsüber fürchte ich mich vor dem Abend, die Tageszeit der Zweisamkeit.

Die Stille, meine Ex-beste Freundin, macht mich wahnsinnig.

Wenn ich mir ins Bewusstsein rufe, dass wirklich niemand bei mir ist, überfällt mich nackte Panik. Manchmal muss ich dann weinen. Das sind die besseren Momente.

Wem kann ich von meiner Isolation erzählen, ohne ungewollt Verpflichtung einzufordern?
Soll ich mich etwa jeden zweiten Abend in die Kneipe setzen?
Wann bin ich mir selbst so fremd geworden?
Was fange ich jetzt mit meinem Leben an?
Oder war das vielleicht schon alles?

 

4 thoughts on “Alleinsam

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