Ach, Amerika…

Der 9. November 2016 wirft jede Menge ungewöhnliche Fragen auf:

Wie viele heile Knochen sind little Barron nach seinem Verhalten während der Siegesrede seines Vaters geblieben?
Warum lief auf selbiger Veranstaltung „You can´t always get, what you want“?
Wie soll aus einem Proll jemals ein Staatsmann und aus einer „Zahnarztgattin“ jemals eine First „Lady“ werden?
Wie viele Liter Champagner wurden in den Satire-Redaktionen rund um den Erdball vergossen?

Und ganz im Ernst: Wie konnte es verdammt nochmal DAZU kommen?

Es war ein Wahlausgang mit dem niemand – und abgesehen von den Trump-Anhängern meine ich wirklich niemand, inklusive Clinton, Obama, Merkel, Putin und wie sie alle heißen sowie last but not least Trump selbst – gerechnet hat. Das dürfte wohl einmalig in der Geschichte sein. Nach meinem letzten Stand hatte Hillary sogar insgesamt mehr Stimmen, aber so läufts nun mal nicht im US-Wahlrecht.

Die Unzufriedenheit, Verzweiflung und letztendlich die mobilisierte Macht eines Großteils der Amerikaner wurde von uns allen gewaltig unterschätzt.

Plötzlich liegen ein zweiter amerikanischer Bürgerkrieg, der Einsatz von Atomwaffen und jede Menge anderer Katastrophen als diffuse Angst der Öffentlichkeit im Bereich des Möglichen. Die Medien dürften sich freuen, Trump verleiht den Abendnachrichten weltweit einen gehörigen Kick.
Wird es echt so schlimm? Ich spekuliere mal munter mit und sage: Nein. Ich finde, schon bei seiner Siegesrede konnte der aufmerksame Beobachter die Überforderung in seinem Gesicht entdecken. Er wollte nämlich bloß gewinnen, mehr nicht, „Nach mir die Sintflut“.

Trump wird sehr schnell merken, dass er null Plan von Innen- und Außenpolitik hat und seine nicht minder bösen, aber überlegteren Berater für sich regieren lassen. Zumindest hoffe ich, dass es so kommt.
Und wenn er auf Putin zugehen will, soll er das doch gerne tun. Hillary wollte auf Konfrontationskurs und wie wir alle wissen, ist es für unsere europäischen Hintern viel sicherer wenn Russland und die USA sich einigermaßen vertragen.
Selbstverständlich stellt sich das Thema in seiner Gesamtheit als geradezu hoffnungslos kompliziert dar: Establishment, IS, Syrien, Ukraine, Klimakatastrophe, Nichtgehörtwerden, Rassismus, Sexismus, Wertegemeinschaft, internationale Beziehungen undundund.

Eines finde ich persönlich aber besonders betonenswert: Wir hier in Deutschland und Europa müssen endlich aus diesem beispiellosen Wahl-Desaster lernen, nämlich, dass die Demokratie leider niemals einfache Lösungen bietet und dass wir denen, die etwas anderes behaupten, mit nichts weiter als etwas gesundem Menschenverstand zu begegnen brauchen.

 

4 thoughts on “Ach, Amerika…

  1. Ein schweres Thema …

    Ich hoffe auch, dass die Beziehungen zwischen den USA und Russland nun wieder besser werden. Immerhin sind wir Europäer mittendrin statt nur dabei …

    Dennoch: Warum haben nur knapp 50% der Amerikaner überhaupt gewählt?

    Fussige Grüsse, Jana

    • Hallo Jana, danke für Deinen Beitrag. Was die Zahl betrifft, hast Du Dich wohl vertan. Die Wahlbeteiligung war sehr hoch und von denen haben knapp 50% Trump und knapp 50% Clinton gewählt.

      Liebe Grüße isa

  2. Ich mag Trump nicht, aber seine erste Rede nach der Wahl war schon bemerkenswert. Von seiner Überheblichkeit und Aggressivität war plötzlich nichts mehr zu merken. Man hatte tatsächlich den Eindruck, dass er geschockt war und ihm langsam die Verantwortung, die nun auf seinen Schultern lastet, bewusst wurde. Aus Spaß ist plötzlich ernst geworden, der Schulrowdy wurde zum Schulsprecher ernannt. Was macht er jetzt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: